Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Die Gemeindeordnung nach talmudischem Rechte
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 289 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Gememdeordunng nach talmudischem Rechte. Eine historisch rechtliche Skizze. Ereignisse und Begebenheiten sind die Bausteine der Geschichte. Aber sie bleiben nur ein kaltes todtes Gestein, so lange nicht der in ihnen waltende Geist erforscht, nicht von dem Gedanken ansgegangen wird, daß in ihnen ein Geist gewaltet. Nur durch das in ihr aufgefundene geistige Element bietet die Geschichte eines Volkes einen Beitrag zur Geschichte der Menschheit und wird das Object der wissenschaftlichen Forschung, die in den Enthüllungen der Vergangenheit nicht Befriedigung der Neugierde zum Ziele «hat, sondern die die Vergangenheit belebenden und bewegenden Gedanken znr Anschauung bringen, ergründen will, was dieses Volk in dieWagschaale der Geschichte geworfen, welchen Bestandthekl es in diesem großen wogenden Strom bildet. Die Geschichtsforschung bleibt daher auch nicht bei Begebenheiten stehen; Begebenheiten sind zuweilen so dunkel und in so schwachen Spuren erhalten, daß auf sie eine eigentliche Geschichte nicht basiren kann: sie ruft daher auch Denkmäler als Zeichen der einstigen Wirksamkeit eines Volkes herbei. Und diese Denkmäler legen zuweilen wirksamere Zeugnisse für Entwickelung und Culturzustände, als spärliche Begebenheiten ab; sind auch die Monumente zu Memphis, Persepolis und das durch Layard und Botta neu aufgefundene Ninive noch nicht entziffert, so weisen sie schon durch ihre Großartigkeit auf die hohe Stufe hin, die die betreffenden Volker erlangt hatten. Doch das Grandiose stellt uns nur ein Allgemeines gegenüber: die mächtigen Formationen reißen znr Bewunderung hin, bieten einen überwältigenden aber keinen erhellenden Eindruck. Der menschliche Geist zeigt sich hier ans einer hohen Stufe angelangt, aber der Entwickelungsgang fehlt, wir können uns nicht klar machen wie er auf diesen hohen Gipfel anlangte. Die Geschichtsforschung will Zustände, nicht einen Zustand: nicht Plastik, Frankel, Monatsschrift 17. 22