Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Briefe aus Brüssel
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 277 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Briefe aus Brüssel. 277 Gent, durch Delegirte Sitz und Stimme im Konsistorium haben. Der Gemeindehaushalt und andere religiöse Bedürfnisse.werden von ihnen selbstständig, ohne Einmischung der Hauptgemeinde verwaltet; daher es kommt, daß z. B. Antwerpen sich größtentheils durch Privatbeiträge bereits vor einigen- Jahren in den Stand gesetzt sah, ein neues, ihren Bedürfnissen angemessenes Gebäude für Synagoge und Schule vom Grunde aufbauen zu lassen, und später dazu gelangt ist, dieses Gebäude als Eigenthum zu erwerben. Gent hat es bisher so weit nicht bringen können und war vor kurzem noch nicht in Besitz eines eigenen Fried- Hofes. Die übrigen Gemeinden haben nur gemiethete Locale für Synagoge und Schule. Ein Einverständniß dieser Nebengemeinden mit der brüsseler Hauptgemeinde in Hinsicht auf Liturgie und sonstige Synagogeneinrichtung ist noch nicht bewerkstelligt worden. Der alte amsterdamer Minhag dient in Antwerpen und Gent säst zur. einzigen Nichtschnür. Bei den Gemeinden Lüttich, Arlon ist dieser Punkt von keiner Bedeutung/ da bei -er geringen Anzahl der Mitglieder nichts Bestimmtes darüber festzusetzen ist; und noch weniger ist dies der Fall' in Ort- ׳ schäften wie Namur> Mons u. dergl., wo -er Synagogenbesuch nur-au einzelnen Sabbaten und Feiertagen stattfindet. Werfen wir noch einen Blick gegen außen. Es wurde bereits iu den früheren Briefen bemerkt, daß die Niederlassung der Juden iu Belgien größtentheils eine vorübergehende war und nur Wenige sich naturalisirt hatten. Diesem Umstande wurde es auch zugeschrieben, däß bisher in Belgien noch kein Jude zum Mitgliede einer der beiden Kammern (ja nicht einmal des aus 200 mit Universalstimmen gewählten Nationaleongresses im Jahre 1830), wie in Frankreich und Holland erwählt worden. Eine günstigere Gestaltung zeigt sich hinsichtlich anderer Aemter und Würden.. Von den Consistorial-Mitgliedern ist Einer als Stadtrath und ein Anderer als Richter beim Handelstribunal erwählt. Ferner war bekanntlich ein geborner belgischer Israelit längere Zeit hindurch Bürgermeister der königlichen Residenz Lacken. ׳Diese ehrenvolle Stelle, zu welcher er wiederholt erwählt worden, hat er kürzlich freiwillig niedergelegt, um sich anderwärts zu etabliren. Bei der Nationalbank, so wie bei der Banque de Belglque sind Israeliten zu Direetoren oder Commissairen ernannt und an den Bureaus der Minister des Innern und der äußeren Angelegenheiten sind mehrere Juden als Chefs oder gewöhnliche Beamten angestellt; auch bei dem königlichen Gestütamt zu Tervueren wird die Directorstelle von einem Israeliten verwaltet. Die Universität zu Brüssel zählt zwei israelitische Gelehrte als Professoren, von denen einer als Mediciner und der andere als Advocat praktieirt. Seit den letzten Jahren find drei jüdische Jung-