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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 6 · p. 230

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 6
Article
Briefe aus Prag
Date
1853-01-01
Page
230 (sequence 6)
Language
German
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230 Briefe aus Prag. wessen Wort gewichtiger, als das unseres frommen hochgelehrten Rab- Liners Rapoport?*) Mein Bericht dürste schon zu lang geworden sein, und fast müßte ich fürchten, die Geduld Ihrer Leser erschöpft zu haben, wenn nicht die auch in fernen Kreisen gefühlte Wichtigkeit dieses Gegenstandes mir einen Anspruch auf Nachsicht gäbe. Umso kürzer will ich über sonstige Einrichtung der Schule sein. Es wirken an ihr unter dem Director Herrn M. Win Lern iß etwa 18—-20 Lehrer und Lehrerinnen, und wird sie von 4—500 Kindern beiderlei Geschlechts besucht. Die Schule hat vier Klaffen, die vierte (für Knaben) hat zwei Jahrgänge. Lehrgegenstände sind die in Oesterreich für untere und Hauptschulen vorgeschriebenen. Noch sind zwei Lehranstalten zu erwähnen. Prag besitzt ein wohlsundirtes Bet-Hamidrasch, eine Schule, in welcher Kinder mittelloser Eltern Unterricht in Pentateuch und talmudischer Wissenschaft erhalten, und woselbst zugleich für äderen Unterhalt gesorgt ist. Dieses Bet-Hamidrasch befindet sich seit Jahren in jeder Hinsicht im tiefsten Verfall; es wird von Prager Kindern gar nicht besucht und nur einige Kinder vom Lande erhalten daselbst Unterricht und Beköstigung. Die Anstalt ist in der untern Etage des vom Herrn Rabbiner Rapoport bewohnten Hauses: und man sieht mit gespannter Erwartung dem thätigen Eingreifen des Herrn Rabbiners, der bis vor kurzer Zeit sich durch ein feindseliges Element behindert fand, entgegen und daß er dem Unterricht und der Lehrweise eine entsprechende zeitgemäße Richtung gebe. ״) Der nun verstorbene scharfsinnige, als tüchtiger Grammatiker bekannte W. Meyer lehrte in einer Nebenstunde einigemal die Woche hebr. Sprache; seine Vorträge wurden jedoch nur von auswärtigen erwachsenen Jünglingen besucht und standen in keinem innern Zusammenhänge mit der Schule. — Der seit einigen Monatev an der Schule wirkende ReligionsLehrer Hr. vr. G r ün h u t sucht, was ungemeine Anerkennung verdient, freiwillig dem Unterrichte in der heiligen Schrift und Sprache aufzuhelfen und trägt in mancher Nebenstunde Pentateuch und Psalmen vor. -Allein, da der Besuch nicht obligat ist und dieser Unterricht nicht mit in den Lehrkreis gehört, so wird dieser Gegenstand nur Ms ein außenstehender betrachtet und es gebricht den Besuchenden der Eifer, den bei Kindern gewöhnlich nur obligate Lehrfächer hcrvorbringen. Hoffen wir, daß unser hochgeschätzter Herr Rabbiner Napoport thätig eingreifen, dem UN- Lerrichte fleißig beiwohnen und ihn durch seine Gegenwart heben wird. Hierdurch wäre ein Uebergang angebahnt: seine Gegenwart׳ wird den Schülern Aufmunterung sein und in ihnen Luft und Liebe erwecken. Kann doch nicht der Beseht von oben• für Alles vorsehen: der Triumph der Religion ist, daß sie sich selbst ihren Weg bahne. Die Regierung wird aber auch unstreitig gern solches Streben anerkennen.

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