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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 6 · p. 218

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 6
Article
Zur Geschichte der Juden in Polen
Date
1853-01-01
Page
218 (sequence 8)
Language
German
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218 Zur Geschichte der Juden in Polen. mals an Wladimir, und bewog ihn den Thron zu besteigen. In Kiew augelaugt wurde er von der Bevölkerung aufgefordert^ die Juden zu bestrafen, ״weil sie den Christen alle Gewerbe wegnehmen und viele zu ihrem Glauben verführen"^. Wladimir berief eine Versammlung der Fürsten nach Wydobytfch, auf welcher nach länger Berathung beschlossen wurde, die Juden aus dem ganzen Nussmenlande mit ihrer ganzen Habe herauszuschicken und in Zukunft nicht mehr einzulassen , und wenn sie in Geheim hereinkämen, sei erlaubt sie zu berauben und zu ermorden. ■3} Wir raffen hier eine wörtliche Uebersetzung aus der Geschichte Rußlands von Tatyschtschef folgen. Dieses Werk erschien nach dem Lode des Verfassers im Drucke und ist eine Compilation der russischen Chroniken, und das wichtigste Werk der russischen Geschichte. Die Thronbesteigung Wladimir's und die Vertreiimng der Juden erzählt er folgendermaßen: ,,Die Kiewer aber wollten die Swiatoslawitschy nicht, empörten sich und zerstörten die Hauser derjenigen, die es mit den Swiatoslawitschy hielten; zuerst das Haus des Tysiatschnik Putiata, dann tödteten sie viele Juden, weil sie den Christen viele Kränkungen verursachten und den Handel beeinträchtigten. Viele von ihnen versammelten sich in ihrer Synagoge, befestigten und vertheidigten sich, wie sie nur konnten und baten um Zeit bis zur Ankunft Wladimir's. .... Wladimir ließ sich endlich bewegen und bestieg den Thron zur großen Freude des Volkes. Die Empörung legte sich; doch bat ihn die Bevölkerung einstimmig um Bestrafung der Juden, weil sie den Christen alles Gewerb wegnehmen, und unter Swiatopolk besaßen sie viele Freiheiten und Rechte, worüber sich viele Kaufleute und Handwerker erzürnten; ferner verführten sie Viele zu ihrem Glauben und errichteten Hauser unter den Christen, was früher nicht stattfand; daher wollen sie!die Christen) alle tödten und die Häuser zerstören. Wladimir aber amwertete ihnen: Weil ihrer viele überall und unter verschiedenen Regierungen eingewandert und angefledclt sind, so ziemt es mir nicht, ohne Rath der Fürften solches zu thun; es sei aber auch gegen die Gerechtigkeit, da sie won den frühern Fürsten geduldet wurden, sie jetzt dem Morde und Raube preiszugeben, da doch auch Unschuldige umkommen könnten. Ich werde daher unverzüglich die Fürsten zur Berathung berufen. Als sich nun die Fürsten auf seine Einladtmg in Kiew versammelten, erließen sie itt Wydobytfch nach einer langen Berathung folgendes Gesetz: Es sind füll jetzt alle Juden mit ihrem ganzen Vermögen aus dem Russinenlande herauszüschicken und in der Zukunft nicht mehr einzulaffen; und wenn sie heimlich hereinkämen, sei es erlaubt, sie zu morden und zu berauben. Und sie schickten diese Verordnung in alle Städte, in Folge deren man alle Juden Heraustrieb; viele aber wurden eigenmächtig getövtet und .beraubt. Seit dieser Zeit gibt es keine Juden mehr in Rußland, und sobald welcher kömmt, wird er getödtet und beraubt." Karamzyn, der dieses im 2. Bd. Anmerk. 214 im AusZuge bringt, bemerkt: ״In den Annalen heißt es, die Juden sind 1124 in Kiew verbrannt; folglich sind sie nicht vertrieben worden." Er führt aber keine Quellen an.

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