Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Polen
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 214 (sequence 4)
- Language
- German
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214 Zur Geschichte der Juden in Polen. Sem Sohn Boleslaw, wegen seiner Heldenthaten der Tapfere (chrobry) genannt, vereinigte in sich alle die Eigenschaften, durch welche die Monarchen Glück und Ruhm über die Völker verbreiten. Die Grenzen Polend vom Baltischen Meere bis zum Dnieper und der Elbe ausdehnend, erwarb er sich den Namen des ersten Kriegers seines Zeitalters. Weise Verordnungen, die Beglückung des Volkes bezweckend, vervollständigten seinen Ruhm 8). Er entriß die Polen ihrer rohen und wilden Lebensart, und brachte sie einige Schritte der Eultur nähert). Polen trat, feine commcrciellen Verbindungen erweiternd, dem übrigen Europa näher und wurde zum Stapelplatz für die Products Asiens rung zuerst darüber nachgedacht, welche Religion zu wählen sek. Er ließ also Rabbiner aus einer nahen Judencolonie zu sich rufen, forderte katholische Priester auf und schickte eine Gesandtschaft ab, um die Geheimnisse und Gebräuche dcr östlichen Kirche, kennen zu lernen. Ein griechischer Weise zog ihn, der Sage nach, auf seine Seite, indem er ihm in lebendigen Farben das jüngste Gericht schilderte. (Mckcewicz Vorles. über slav Zust.) Interessant ist die Unterredung des Fürsten mit den jüdischen Abgesandten. ' Hier folgt eine wörtliche Übersetzung aus Taryschtsches's Geschichte Rußlands: ״Nachher kamen zu Wladimir Juden aus Chazarien und singen an, ihn zu belehren und zu rühmen ihr Gesetz, sagend: wir hörten, daß zu Euch Bulgaren, Mahomedaner und Christen kamen, jeder lehrte dich seinen Glauben.' Die Christen glauben an den, ihn aber haben wir gekreuzigt, und wir-glauben an einen Gott, den Schöpfer und Erl alter der Geschöpfe. Wladimir fragte: wie ist euer Gesetz? Sie antworteten : sich beschneiden, nicht Schweine- und ander unreines Fleisch essen, den Samstag feiern. Er aber fragte sie wiederum: wo ist euer Land? Sie sagten: in Jerusalem. Und Wladimir sprach: wohnt ihr denn dort? Sie aber antworteten: Gott zürnte auf unsere Vorfahren und zerstreute uns in alle Gegenden unserer Sünden wegen z unser Land aber ist den Christen übergehen. Wladimir antwortete: wie, ihr lehrt Andere euer Gesetz, ohne selbst es zu befolgen? ihr seid verstoßen von Gott und zerstreut? Wenn Gott euch uyd euer Gesetz lieb Härte, so hätte er euch nicht in fremden Ländern zerstreut. Wollet ihr auch uns dieses Unglücks Lheilnehmer machen? Und schickte sie zornig fort." — Mit diesen Worten erzählt auch Nestor in feinen Annalen. Auch Käramzyn bring( dieses, aber schon in einer eleganteren Form. — (Man erkennt hier ganz die Argumente wieder, die das Christenthum des Mittelalters gegen die Jgden vorbrachte und die noch heute von manchen Frömmlern geltend gemacht werden. -ל- Ueber ״Juden aus Chqzarlen" vgl. vor. Jahr. S. 452 ff Hier ein neuer Beleg für die Echtheit des Briefes Chasdai's. Interessant dürste auch'die Vergleichung des, vor. Jahrg. S. 455 angeführten Religionsgespräches mit dem obigen Berichte Lalyschtschef's sein. Vgl. auch daselbst Anmerk. 7. ׳׳ Die Red.) 8) ^iemcewicz Spiewy historyozac., Wars., 1819. Vol. Leg Tom. J, 9) Dlugossi Historia Pplon,