Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Über einen allgemeinen Rabbinercongreß
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 211 (sequence 3)
- Language
- German
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211 Zur Geschichte.der Juden in Polen. Für Deutschland hat seit der Zeit, als der Unterzeichnete den gedachten Aufsatz schrieb, sich manche erfreuliche Aussicht für das Jnslebentretcn eines Seminars eröffnet, das unter dem Beistände des Gottes unserer Väter seiner baldigen Verwirklichung entgegengehen wird. Franke l. Zur Geschichte der Juden in Polen. - Von Herrmann Slernberg. Die Geschichte der Juden bildet einen wesentlichen Theil der Weltgeschichte, und ist enge verbunden mit der Geschichte anderer Nationen. Ihre Sendung bietet dem zweitansendjährigen Religionshasse Trotz, der sic zu vernichten strebte. Der Westen Europa's lehrt, welchen unerschütterlichen Felsen dieser kleine Haufe den tobenden Wogen des Fanatismus gegenüber bildete. Unzählbare Menschen wurden dem Tode und dem Elend preisgegeben, das irregeleitete Volk freuete sich seiner Opfer; aber aus der Asche der Hingcmordeten erhoben sich neue Generationen, die an Standhaftigkeit ihren Vorfahren nicht nachstandeu, und ihrem Schicksale unerschrocken entgegen sahen. Nur ein Volk im-Osten war taub für die Vorurtheilc des Westens — die Bewohner der reichen Gefilde Lcchiens. Die Verfolgungen, welche hier in langen Zwischenräumen und von momentaner Dauer verkamen, waren cm dumpfes Echo dcS in den angrenzenden Staaten wüthendcn RcligionSkrieges, und die Folge des Eindringens deutscher und anderer fremder Elemente, die Roheit zum Gepräge hatten. Die Geschichte der Juden in Polen ist bis setzt wenig bearbeitet, und das Geringe selbst was geleistet wurde entbehrt größtentheils historischer Wahrheit. Der tiefgewurzelte Religionshaß, von welchem mancher sonst unparteiische Schriftsteller sich nicht befreien konnte, verdrängte die Wahrheit und gab sltbscctiven Anschauungen Raum. Solches Gepräge tragen die Darstellungen der polnischen Schriftsteller der srühcrn und neuern Zeit. Die ausländischen Historiker lassen die reichhaltigen Vaterländischen Duellen brach liegen, und begnügen sich — da ihnen Sprache, Sitten und Gebräuche dieses Landes unbekannt — 16*