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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 4 · p. Seite 139

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 4
Article
Die Geschichte der Niederlassung der Juden in Holland und den niederländischen Colonien
Date
1853-01-01
Page
Seite 139 (sequence 19)
Language
German
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Die Geschichte der Niederlassung der Juden in Holland re. 139 riech mehr als hundert Jahre, aber freilich im geheimsten Dunkel, fort. Nach diesem Einblicke in die inneren Zustände durfte es nicht am Unrechten Orte sein, Manches über die Quellen, aus denen die zu einer großen Körperschaft angewachsene und auch von außen mit Achtung betrachtete Gemeinde, die Mittel ihrer Subsistenz schöpfte. Amsterdam hatte die ans der pprenäischen Halbinsel Entflohenen mit offenen Armen ausgenommen; doch waren es keineswegs die Gefühle der Menschlichkeit allein, die den vom Fanatismus Verfolgten eine Heimat öffneten: der eigene Nutzen, die Aussicht auf den durch Hülfe dieser Ankömmlinge sich hebenden Wohlstand hatte einen nicht geringern, ja vielleicht den vorzüglichsten Antheil an dieser gastfreundlichen Aufnahme.*) Der Welthandel hatte sich allmälig nach den Niederlanden gezogen, und Amsterdam wünschte sich jetzt seiner zu bemächtigen. Bis zur Entdeckung von Amerika bildeten die lcvantischen Producte den Kern des Welthandels, und er befand sich längst der Küste Italiens, Sndfrankreichs und Spaniens fast ausschließlich in den Händen der Juden. Während der Kreuzzüge erlitt dieser Handel einen Umschwung, da Graf Balduin von Flandern, der den griechischen Kaiserthron zu Konstantinopcl bestiegen hatte, seine Landesgcnosscn auf den Weg durch die Straße von Gibraltar in die Levante aufmerksam machte. Die südniederländischen Provinzen wurden nun das Depot der großen commerciellen Unternehmungen, und Gent und Brügge erhoben sich zu nie geahntem Glanze. Die Inquisition drückte den Aufschwung nieder: sie gestattete nicht den Juden den Zutritt und hierdurch war auch dem Welthandel der Zutritt geschlossen. Auch Antwerpen, das die Erbschaft jener, zwei Städte antreten wollte, fühlte bald die blutige Geißel der Inquisition. Da schwang sich das jugendliche, seiner errungenen Freiheit frohe Amsterdam empor: es erkannte, daß so. wie es seine Freiheit dem Meere zu verdanken habe, auch Wohlstand und Reichthum gurr auf diesem Wege ihm kommen können. Und darum öffnete es sich den portugiesischen und spanischen Juden, die zum Theile Herren des Welthandels waren uud die ihn nach dem neuen Vaterlande zu lenken versprachen. Sie durften aber daher auch in ihren Unternehmungen nicht be- *) Vgl. hierüber die Notizen zu Ende dieses Heftes. D. Red. 11*

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