Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die talmudische Topographie
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 107 (sequence 2)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Aussätze. 107 Rabbiner Schwarz aus Jerusalem eine vollständige jüdische Geographie unter dem Namen הנואלת הארץ geliefert, welche den besten Schriften dieses Genres an die Seite gesetzt zu werden verdient. Schwarz hat natürlich die talmudische Topographie weitläufig behandelt, Lheils aus Autopsie, theils aus früheren Werken entlehnt. Aber, ganz erschöpfen konnte er dieses Material nicht; denn ihm geht die Kenntniß der klasfi-- schen Sprache ab,.worin manche Vergleichungspunkte geboten sind, und auch die Kritik ist nicht seine Sache. Er wendet z. B. eben so viele Sorgfalt an, geographische Namen aus dem ספר הישר und dem Sohar zu erklären, wie talmudisch-geogräphische Namen, ohne Rücksicht darauf, daß jene bloß zur dichterischen Staffage gehören und keine Wirklichkeit habend) — Aus diesem Grunde konnte Herr S. diesen Stoff nicht abschließen. — Die talmudische Geographie umfaßt aber noch andere zwei Theile; außer Palästina zieht sie auch Babylonien in ihren Kreis, den elasfischen Boden, auf dem der Talmud Babli erblüht ist; auch ander- 1) Als Beweis für den Mangel an Kritik bei Schwarz möge ein interestantes Beispiel dienen. Unter den Bergen, auf denen Feuerzeichen.für die Kundmachung des Neumondes angezündet wurden, nennt R. Simon b. Elasar auch הרים ונייד וגדל (Babli 22. ר״ד). Hr. S. giebt sich Mühe, diese Berge zu erklären. Für דדים schlägt er vor einen Berg Chara auf der Karavanenstraße von der Jakobsbrücke nach Damaskus. Für נייד den ®'ebl Klara unweit des frühern. Wendet man aber die Kritik dabei an, so fiudet sich die Parallel- Stelle in Jeruschalmi דרי מנוור וגדוד , deutlicher שביעית IX. 2 איזדו ד,ר שנעבד דידרן תני דשב״א אומד.כגון דדי מנווד וגדור . Offenbar bezeichnet R. Simon damit die niedrige Hügelreihe, welche im Osten parallel mit dem Jordan läuft, von Machaerus, in der Gegend des Lodten - Meeres bis Gad ara, dem Südende des Tiberiassees. In der Losiphta sind beide Stellen corrumpirtz zu ר׳/־ו heißt es ד.די מ נווד וחבוד , soll heißen וגדוד; zu שביעית noch schlimmer: ,תריס ונו.בוד גדוד soll heißen ^דרי מנווד . Dieselbe Corruption ist aber auch in Babli ר״ד anstatt דדים ונייר muß es heißen דרי מנווד . Das Machaerus - Gebirge kommt auch vor (דדי ״מנוור (3,8 דמיד, (in Joma 39. falsch דדי מנמר). R. Simon will auch dem transjordanischen Höhenz'uge den Gebirgscharakter in halachischen Verhältnissen vindiciren. Man braucht also diese Berge nicht mit Hrn. Schwarz in der Nahe des Antilibanön zu suchen. Interessant ist es zu sehen, daß man in Babylonien auch nicht recht die Lage dieser Berge kannte אי נא דאמדי ביני ובעין דוו קלמי אינא דאמרי לדך גיסא דא״י מר חשיב דדאי גיסא ומד חשיב דדאי גיסא . Die letzte Ansicht ist die richtige. Selbst Parchi, der schon eine Ahnung davon hatte, daß die erwähnte Stelle corrumpirt ist, hat das Richtige verfehlt. Er emedirt für נייד die Leseart בדד, vergleicht damit einen Hügel östlich von Gadara, und mit דדים parallelisirt er ein Thal דברם, beides höchst willkürlich. Hr. Zunz hat sich zu demselben Jrrthum verleiten lassen, conjecturirt seinerseits in der weirläuftigen Abhandlung zu Tudela's Weck (die Afcher'sche Ausgäbe 2. Thl. S. 403), und vergleicht mit der Fiction Bador den Ortsnamen Obder bei Burkhardt.