Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 12 (September 1852)
- Article
- Galerie angesehener für Glauben und Glaubensgenossen wirkender Juden
- Date
- 1852-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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444 Galerie angesehener für den Glauben rc. Lehre und Wissenschaft! Wird Hand znr Abhülfe angelegt? Die früheren Angesehenen erkannten, daß was die Gottheit bei ihnen niedergelegt, ein höheres Gut sei, das für das Mgemeine, für den Glauben und dessen Bestehen verwendet werden soll. Unsere An» gesehenen, welches Zengniß haben sie abgelegt, daß sie von solchen Gedanken durchdrungen seien? Von den früheren Großen sprechen großartige Werke, nicht etwa vereinzelte Gaben, ausgethcilte Al» mosen und wenn es hoch kommt ein Foyer für gebrechliche Leiber erbauet: Stätten des Geistes, ewige Denkmäler, in denen, was Israels Bestehen sichert, gepflegt wurde, legen Zengniß von dem Wirken dieser Männer ab; darum segnete die Mitwelt ihren Stamm und die Nachwelt nennt sie mit Verehrung. Welches erhebende Denkmal setzt sich unsere Zeit? Deutschland sichet mit jedem Tage die jüdische Lehre und Wissenschaft mehr dem Verfalle entgcgengchen; von welcher Seite wurde noch die Hand geboten, um dem drohenden Ein» stürze entgegenzuwirken? Es werden fromme Klagen, gemüthvolle Seufzer vernommen, viele Fromme trauern in des Herzens in» »׳.erstem Winkel: doch daß die Wünsche sich zu Thaten verwirklichen, daß durch Vereinigung der einzelnen Kräfte sich das der Zeit noth» wendige Werk erhebe, ist eine vergebliche Hoffnung: fehlt es doch wie dem deutschen Vatcrlande dem ganzen Leben der Juden Deutschlands an Einheit! Aber stehen die Angesehenen aus, ״um sich vor den Riß zu stellen?" Eine Schule, in welcher sich einstige Rabbiner heranbilden, thut noth: die Wissenschaft muß ״von Hirt zu Hirt, von Lehrer zu Lehrer übergeben werden": des Judcnthums inneres Leben ist Wissenschaft! Laßt die Zeit sich weniger an den Glauben Anschmiegen, laßt einen Theil der Zeitgenossen ihm weniger treu anhängen: so lange das Wissen gepflegt wird, so lange des Judenthums Wurzeln von des Wissens Gewässer getränkt werden, trägt es in sich nicht nur Hoffnung, sondern feste Gewißheit, daß es wieder erblühen werde. So fühlten es die Angesehenen der Vergangenheit, und waren sie Schirmer der Lehre, Zierden des Glau» bens und seiner Genossen. Das Judenthum in Deutschland hat nicht eine einzige Schule, nicht eine Pflanzstätte der Wissenschaft aufzuweisen; und diese Schmach wird nicht abgethan, die Großen und Angesehenen erkennen nicht, wie auch nach außen der Glaube hierbei verletzt, seine Ehre beeinträchtigt werde! In den Großen der Vorzeit fühlten sich Juden und Judenthum gehoben; die Nachweit soll als seine Muster sich diese Bilder vergegenwärtigen. Wir gehen hier zu der Zeit zurück, aus welcher wir zusammenhängende, geschichtlich sichere Daten besitzen: zu der Epoche jüd.