Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 11 (August 1852)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1852-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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431 Recenstonen und Anzeigen. römischer Colouien ertheilen. Aber von N. Juda I. ist ja zu gut bekannt, daß sein Aufenthalt nicht Tiberias, sondern zuerst Bet- Schearim und spater bis zum Tode Sepphorit gewesen, nach seinem Tode wurde seine Leiche von Sepphorit nach Bet-Schearim zurückgebracht 0). Wenn also Tiberias erst spater Synhedrialstadt geworden ist, wie., käme Marc Aurel dahin, oder auch N. Juda I.? Der Herr Vers., der die Momente der Loealität am besten zu würdigen weiß, wird mir einräumen, daß diese Schwierigkeit eine der bedeutendsten in dieser dornigen Frage ist. Gehen wir endlich von den Fragen zu Resultaten über. Die eben auseinandergesetzten wechselseitigen Gegenbeweise heben sich dialektisch gegenseitig aus. Der talmudische Antoninus kann nicht Marc Aurel gewesen sein, dessen Judcnsreundlichkcit höchst zweifelhaft ist, von dem erzählt wird, er habe Antipathie gegen Juden gehabt, und unter dessen Negierung die Juden sich über außerordentliche Leiden zu beklagen hatten.. Es kann noch weniger Caracalla oder Heliogabal gewesen sein wegen ihrer abstoßenden Charaktere und weil 9t. Juda I. ihren Regierungsautritt nicht erlebt hat. Es bleibt bei diesem Stande der Frage nur die Alternative übrig: entweder die judenfreundlichen Beziehungen eines Kaisers zu einem Nass ganz zu leugnen und sie in das große Reich der Sagen zu verweisen, oder wenn zwanzig verschiedenlautende Nachrichten em solches bequeme aber oberflächliche Absprechen nicht zulassen, die Frage über den engen Kreis, in den sie bisher gebannt war, hinauszuführen. Sehen wir uns nach einen! andern Kaiser um, aber nach einem edlen, der weder wie Caracalla oder sein Bastard zu niedrig, noch wie Mare Aurel zu philosophisch stolz für die Freundschaft eines Rast war; es muß ein Kaiser sein, dessen Judensreundlichkeit allgemein an- 1) Nasch! mit seinem kritischen Jnstinct fühlte es, daß in Nabbi's Leben nirgends Tiberias genannt wird, als nur in Beziehung zu Antonin. ובטבריה 31 ר״ה) b) היה (סנהדרין) בימי אנטונינום. Die Frage wird noch drückender wenn man erwägt, daß Tiberias vor N. Jochanan gar nicht der Sitz eines Lehrhauses war, weil es bis zu N. Simon b. Jochai als Gräberort von den Frommen gemieden wurde, vgl. ausführlich Artikel אמאוס des Herrn Versassers. Daß b. Asai auf den Märkten Tiberias' Vorträge gehalten, beruht auf einem Mißverständnisse: N. Jochanan war cs, der zuerst sagte הרני כבן עזאי בשוקי טבריה und soll heißen, ich fühle mich in Tiberias, wie b. Asai irgend wo anders. Später blieb dieses Wort stehende Redensart, dessen sich auch Andere bedienten. Ob N. Mew mit Acher in Tiberias waren, ist auch noch nicht erwiesen. Aber hervorgehoben wird, daß N. Jochanan ein Lehrhaus in Tiberias angelegt hat. Die Stelle in Megilla 5 b, wo die Frage aufgeworfen wird, איני והא רבי כטבריה הוה beweist ebenfalls nichts, theils wegen ihrer Gezwungenheit, theils wegen anderer zu erwägender Umstände.