Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 11 (August 1852)
- Article
- Mittheilungen aus Dresden
- Date
- 1852-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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426 Mittheilungen aus Dresden» Schulinspectors. Die Damen: Frau vr. B.Beer und Madame Th. Wal-- lerstein inspiciren die Mädchenschule. — Mit den Kindern, die die Schule verlassen, hat der Oberrabbiner wöchentlich eine Zusammenkunft, in welcher eine angemessene Schrift, wie Nambam ספל המדע gelesen, oder ein freier mündlicher Vortrag gehalten wird. Daß die ^Jugend auch nach verflossener Schulzeit noch an Glauben und Glanbensschristen erinnert werde, ist vorzüglich für unsere Zeit Bedürfnis;, und dem Nabbiner heilige Pflicht. Wir wollen hier noch des schönen Werkes gedenken, dessen schon in diesen Blättern Erwähnung geschehen: des von dem Herrn Banquier W. Schie errichteten Henrietten-Stift es. Herr Schie hatte den Plan, ein. Haus zu errichten in welchem abgekommene Familien ein Asyl finden sollen, schon lange ersaßt: eine in seltener Bescheidenheit gegründete Scheu vor jedem öffentlichen Hervortreten hielt ihn längere Zeit von der Ausführung zurück. Herr W. Wall er stein, ein für das Gute erglühter Mann, nährte in Herrn Schie den Vorsatz, daß er zur Ausführung reiste, und legte selbst mit hingebendem Eifer Hand an's Werk. Das Gebäude ist in einer freundlich freien Gegend gelegen und hat die Aussicht über lachende Weingelände bis in die ferne sächsische Schweiz. Es bestehet aus einem erhabenen Halbgeschoß und zwei Etagen: das Ganze enthält neun Wohnungen. Jede Wohnung bestehet aus zwei Zimmern (Zimmer und Kammer) und wohnlieher Einrichtung: Referent, der mehrere Armenhäuser in London, Paris und anderen Städten gesehen, glaubt es aussprechen zu dürfen, daß solche Räumlichkeit und solcher Comfort sich selten an einem anderen Orte finden. Das Gebäude ist von Garten umgeben: am Eingänge trägt es den 6. Vers des 4. Kap. Jesaias in hebräischer und deutscher Aufschrift. — Die Einweihung dieses Hauses fand am 18. Mai d. I., als dem Geburtstage des Königs, Morgens 7 Uhr statt. Die Natur selbst lächelte in einem heiteren Frühlingsmorgen dem stillen Feste, bei welchem mehrere Repräsentanten des Stadtrathes und der Stadtverordneten, ferner mehrere Notabilitäten der Gemeinde anwesend waren. Nachdem der Oberrabbiner die Einweihungsrede gehalten, sprach der stellvertretende Bürgermeister (Herr Stadtrath Neubert) dem trefflichen Stifter im Namen des Collegiums die tiefste Anerkennung aus, und ״daß in solcher Zeit, wo der Beitrag der Begüterten ohnedies be- Lrächtlich, das Werk des Stifters von um so größerer Bedeutung erscheine und ein so sprechenderes Zeugniß seiner Milde und wohlwollenden Menschenfreundlichkeit ablege." Aus den Blicken aller Anwesenden war zu lesen, daß sie mit dem Inhalte dieser Worte ganz übereinstimmten.