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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1852-08-01 · Heft 11 (August 1852) · p. [Seite]

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1851-1852)
Issue
Heft 11 (August 1852)
Article
Mittheilungen aus Dresden
Date
1852-08-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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422 Mittheilungen aus Dresden. Bewegungen, wie sie sich im Innern großer Gemeinden häufig kundgeben, einen Platz in der Geschichte der Zeit einzunehmen: solcher trauriger Ruhm verherrlicht nicht Gemeinde und hebt nicht Ju-enthum, das zu seiner Verherrlichung ein stilles Wirken nach innen beansprucht. Die israelitische Gemeinde zu Dresden datirt als solche aus dem Beginne der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Im Mittelalter lebten Juden zu Meißen: es werden חכמי מישניא (die Gelehrten Meißens) angeführt, und man fand vor einiger Zeit dort jüdische Grabsteine, die im Alterthumsmuseum zu Dresden ausbewahrt werden. Auch ein im königl. grünen Gewölbe aufbewahrtes Messer, welches eine eingeätzte jüdische Jahreszahl ans dem 14. Jahrhundert und den Namen des jüdischen Meisters zeigt, scheint von einem zu Meißen lebenden Juden gefertigt. Das die Juden des Mittelalters häufig heimsuchende herbe Schicksal traf auch die Gemeinde zu Meißen: und es verschwindet jede Spur der Inden in Sachsen. Unter den Augusten lebte hin und wieder ein Jude in Dresden; eine jüdische Gemeinde erstehet erst seit dem Jahre 1750, woher der jüdische Friedhof zu Dresden datirt. Es ist ein trübes Zeichen, daß man bei den Todten nach dem Bestehen der Lebenden anfragen muß; aber es sprach auch in der That kein äußeres Lebensmoment vom Dasein einer jüdischen Gemeinde. Die Juden hatten weder Synagoge noch Schule: ihre Andacht durften sie nur im Stillen in gemietheten Vetstuben verrichten und mußten jedes äußere Zeichen ihres Cultus vermeiden; selbst als solidarische Corporatkon wurden sie nicht betrachtet, sondern es hing noch im Anfänge dieses Jahrhunderts von der Laune des Herrschers ab, sie sammt und sonders wieder auszutreiben. Die Lage der Juden zu Dresden war nach der religiösen und politischen Seite sehr traurig: um so erquickender ist die Wahrnehmung, daß in diesen Trübnissen selbst sich treffliche Institute entwickeln, Vereine ins Leben gerufen werden, die die Erfüllung der Mildthätigkeit, der Liebe, der Krankenverpflegung, Unterstützung Hülsloser, des Unterrichts mittelloser Kinder u. s. w. sich zum Ziele setzten. Mit Necht darf behauptet werden, daß der Sinn für Zusammenireten und Vereinigung zu edlen Zwecken kaum in irgend einer Gemeinde lebendiger ist: wir nennen hier nur die Beerdigungsbrüderschaft, Krankenverpflegungs-Verein, Kraukenunterstützungs-Verein, Frauen- Verein, Talmud-Thora-Verein, Mendelssohn-Verein (um Knaben Handwerke und Künste erlernen zu lassen, auch fähige Jünglinge im Studium zu unterstützen), Verein der Freunde (Mittellose zu bekleiden) n. cu m., und es tritt dieser treffliche Sinn in der Zeit der Abfassung dieser Mittheilungen von Neuem hervor, da sich in diesen Tagen ein Verein zur Verheiratbung sittsamer mittelloser Mädchen bildet.

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