Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 11 (August 1852)
- Article
- Über den Lapidarstyl der talmudischen Historik
- Date
- 1852-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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411 lieber den Lapidarstyl der talmudischen Historik. Partei war besiegt und aus den festen Plätzen, die sie inne hatte verjagt (1. Macc. 13 ff.): Judäa wurde wieder der Sitz des alten Glaubens. Und dennoch war eine sadducäische Partei zurnckgeblieben, die sich nicht lange hierauf bei einem weiter zu erwähnen-- den Vorfälle zur Herrschaft und Macht erhebt! Wie befremdend, daß, da der große maccab. Kampf ein religiöser war und der Er- Haltung und Behauptung des Glaubens galt, die Partei die ihn hervorgerufen, geduldet und nicht bis aus die letzten Spuren von den Siegenden vernichtet wurde! Hieß nicht solche Schonung, die überhaupt bei Religionskriegen selten, den Feind im Schooße des Glaubens hegen und ihn an dessen Mark zehren lassen? — Es scheint jedoch, daß wenn später der Name Sadducäcr (Zcduki) als Bcncnnung für den nur die Lehre der Peruschim, die Tradition, in Abrede Stellenden galt, cs in früherer Zeit unter den Sadducäcrn selbst Abstufungen gab: manche standen fast außer dem Judcnthume und es bedurfte nur einer äußern Regung, wie der unter Antiochus, daß sie dem Judenthum ganz absagten; andere verharrten innerhalb desselben, mochten sich zwar mit der Lehre der Peruschim (Pharisäer) nicht befreunden, waren aber auch eben so fern von einem eigentlichen Ausgeben des Glaubens. Diese Partei wäre wahrschcinlich, da sowohl die Forderung der Fortentwickelung des Glau- Lens als der Wille des Volkes für die Peruschim sprach ff, mit dieses allmälig zusammengeschmolzcn, wenn nicht die unselige Politik mancher Hasmonäischen Könige sie zur eigentlichen Partei erhoben und den Sectengeist genährt hätte. Es ist falsch anznnehmen, daß diese Secten der Politik die Richtung gegeben, sondern es rief vielmehr die Politik die Secten wach. Als daher feit Herodes die Politik anderswo ihren Schwerpunkt suchte, nimmt der Scctenhaß bedeutend ab; fadd. Hohepriester werden geduldet, die Peruschim gehen — welches nach der frühem großen Klnft kaum denkbar — mit ihnen um, und die Sadducäcr verlieren sich endlich (wie anderswo nachgewiesen werden wird) im peruschäischen Judenthume ff. — Nach den maccab. Siegen wandte sich der Zorn des Volkes gegen die Abtrünnigen: Jene, die im Glauben verblieben waren, mit dem Feinde nicht gemeinschaftliche Hand gemacht hatten und die nur in 4) Die Sadducäer waren, wie die vorurtheilslofe' Kritik erkennt, im Principe starr und versteinert. In der Praxis huldigten sie einer laxen derwerflichen Accommodation. 5) Josephus hat hinsichtlich des Kampfes der Pharisäer und Sadducäer Ursache und Wirkung — wie bei ihm nicht selten—vermengt, und ihm schrieben spätere Schriftsteller nach.