Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 11 (August 1852)
- Article
- Über den Lapidarstyl der talmudischen Historik
- Date
- 1852-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Ueber den Lapidarsthl der tälmudischcn Historik. 407 Jose lebte also in der nnglücksvollcn Zeit, in welcher der lcmge im Innern gährcnde Zwiespalt zwischen religiöser Nationalität und eingedrmigenem Gciechenthume zum Ausbruche kam, die zum Hellenismus sich hinneigende Partei (vgl. oben S. 212) mit ihrem Plane, dem ererbten Enltus ganz abznsagcu, offen hervortrat. In solcher Zeit galt es um so mehr, daß die Frommen und Trcugebliebeneu sich um die Lehrer und Schirmer des Glaubens schaarten, die Reihen der Frommen sich euge an einander drängten und eine feste Vereinigung gegenüber den srcvlerischen, hellenischen Sitte» und Lehren huldigenden Griechlingcn bildeten. Und darum der mahnende Spruch des Jose den Josscr ״Laß dein Haus ein BcrsammluugS-- Haus der Weisen sein u. s. w." ״Weise" der gewöhnliche Ausdruck für ״Lehrer"'; hier also die dringende Aufforderung zum kräftigen Anschlicßen an den Glauben und die ihn vertretende Partei. — Auch der Spruch seines Zeitgenossen ,,Laß dein Haus u. s. w. Arme deine Hausleute sein" will einen Gegensatz zu den bacchantischen griechischen Orgien auösprcchcn; nicht schwelgende Symposien sollen dein Haus und deinen Tisch entweihen, sondern Arme sich an deinem Mahle und deinen Spenden laben. Und diese Mahnung gewinnt noch eine tiefere Bedeutung, bedenkt man, daß der Gegensatz der in Wollust und Ueppigkcit sich wiegenden grie-- chischen Partei zu den mit Entbehrungen und Mühseligkeiten kämpfenden Nationalen wohl manchen in solchem Kampfe Ermüdenden auf die andere Seite hinüber zog: eine Vcrmnthuug, die durch den diese Zeitumstände schildernden Ps. 73 fast Gewißheit erhält'). Auch der Nachsatz ״Laß dich nicht zu sehr in Gespräch u. s. w." dürfte eine historische Beziehung auf die durch Hetären eutsittlichten grie« chischen Gelage haben, vielleicht auch ein Ausdruck des Abscheucs gegen manche Frauen sein, die wie von einer das Hciligthum (den Altar) frech verhöhnenden Priestcrtochter erzählt wird, zu dem der weiblichen Phantasie viel Reizendes darbietendcn Griechcnthum übergegangen sein mochten«). Ueberblicken wir nun die inhaltsschweren Zeiten von dem Ein« zu finden sei, dürfte, selbst wenn man von den den Vers. dieses Buches charakterisirenden Ungenauigkeiten und Uebcrtreibungen absicht, schwer zu entscheiden sein. 7) Vgl. vorzüglich Ps. 73, 11 —14. Das, dieser Ps. Beziehung zu dieser Zeit habe, ist in unserer Schrift ״lieber den Einfluß der paläst. Exegese" S. 233 nachgewiescn worden. 8) Vgl. Succa zu Eyde. Doch ist hierdurch keineswegs in Abrede zu stellen, daß auch Frauen den Märtyrertod erlitten, vgl. 1. Macc. I, 60 u. sonst-