Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1852)
- Article
- Über die Bachuzim
- Date
- 1852-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Bericht über die Dachuzim. 377 Aebcr die Dachuzim. Bericht des Hrn. Oberrabiners G. Netter zu Constantine an das Lonsistoriu»1 daselbst. Verlesen am 3. März 1882.') Sie haben mich, meine Herren, in einer Ihrer letzten Sitzungen mit einem Berichte beauftragt, der die geeignetsten Mittel zur Der-- besserung der Lage i>er' armen Israeliten der Stadt, und vorzüglich der Israeliten auf dem Lande, gewöhnlich Bach uz im (מחוצים) angeben solle. Ich habe mich sogleich an diese interessante Ausgabe gemacht und habe nun die Ehre, folgende Betrachtungen ihrem Urtheile zu unterlegen. Unter der alten Herrschaft, wo die Bedürfnisse durch de» Uebersiuß an Lebensmitteln, den niedrigen Preis der Miethe und vorzüglich durch das von den damaligen Eingebornen allein gekannte patriarchalische Leben sehr geringe waren, deckte die arme Klasse leicht durch Handwerk und Kleinhandel ihren Unterhalt. Eine neue und beträchtliche Bevölkerung holt aber jetzt ihre Lebensbedürfnisse auf den Märkten Eonstantine's und bewohnt einen Theil ihrer Häuser. Der Anblick der Annehmlichkeiten, des Wohllebens der neuern Civilisation verlockt die Eingebornen zu Ausgaben, die sie bisher nicht kannten. Eine mächtige Eoncurrenz, die von außen eindringt und stets mehr wächst entziehet den Handwerkern und Kaufleuten ihre früheren Quellen. So hat nun der hohe Preis der Lebensmittel und der Miethe von einer Seite, von der andern die Abnahme der Erwerbszweige den Zustand der armen Klassen beträchtlich verschlimmert. Und darum reichen auch die unserer Gemeinde zu Gebote stehenden Fonds nicht mehr zur Aushülfe der mit jedem Tage sich mehr vermehrenden Bedürftigen aus. Eine große Anzahl Israeliten ergreifet um nicht betteln zu müssen den Dienstbotenstand. Dieser Stand ist unbezweiselt keineswegs entehrend, sondern vielmehr in jedem Lande nothwendig. Allein wenn er sich bei einem Volke in solchem Verhältnisse entwickelt wie wir ihn hier sehen; wenn Familienväter diene» müssen um ihren Kindern Brod zu verschaffen; wenn Mütter der Sorgfalt für daS Häusliche nicht obliegen können weil sie ihre Männer ernähren: wenn junge Mädchen von zehn bis zwölf Jahren sich um 1) Aus der zu Paris unter der Redaction des Herrn S. Bloch erscheinenden Monatsschrift l’Uuivers Jsraelite.