Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1852)
- Article
- Briefe aus Paris
- Date
- 1852-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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342 Briefe aus Paris. fischen und besonders der pariser Verwaltung verpflichteten uns , diese Morte vorauszuschicken, ehe wir über die Schule im wahren Sinne des Wortes einen kleinen Bericht abstatten. — Die Knabenschule, welche bei 260 Kinder zählt, wurde früher vom Bibel-Uebersetzer Herrn Cohn geleitet, befindet sich aber seit beinahe 20 Jahren unter der Führung des Herrn Treves, der fich die größte Mühe gibt, um einer so großen Anzahl Knaben, deren Alter von 6 — 13 Jahren ist, nebst dem Erlernen der sranzöfischen Sprache, des Lesens, Schreibens, Rechnens, den Anfangsgründen im Zeichnen, Geographie und Geschichte, eine richtige Ansicht von jüdischer Sitte und Lehre, gegründet aus das in hebräischer Sprache erlernte Fundament der heiligen Schrift beizubringen. Die in diesen Anstalten vorgeschriebene Unterrichtsform ist die des wechselseitigen Unterrichtes; in den ersten Stunden des Tages gibt der Lehrer einen persönlichen Vortrag den fähigeren Zöglingen, die dann vertheilt, jeder einem kleinen Kreise die verschiedenen Unterrichtsgegenstände unter der Aufsicht des Lehrers mittheilen. So sehr auch diese Form manche Fähigkeiten der Kinder entwickelt, so wenig geeignet finden wir sie für etwas raschere Fortschritte; eine geringere Zeit, unter mehrern Lehrern richtig vertheilt, würde, wir hegen die sicherste Ueberzeugung, eine größere und richtigere Summe von Wissen in diesen jungen Köpfen verbreiten. Die Stadt hat in der letzter» Zeit viele Mißstände in der ersten Form gefunden, und sucht jetzt durch eine Mengüng beider Arten eine Besserung hervorzurufen. Außerdem erhalten diese Kinder, die nur ׳den unbemittelten Classen angehören, von dazu bestellten Lehrern Unterricht im Gesänge und in körperlichen Leibesübungen. Unter so schwierigen Verhältnissen bei einer so großen Anzahl, die größtentheils ganz unerzogen aus die Bänke der Schule gebracht werden, leistet Hr. Trever alles Mögliche, und wir können nur den einen Wunsch aussprechen, es mögen die Kinder bemittelter Eltern eine ähnliche Kenntniß der Neligionsschriften besitzen, wie wir hier sie so oft in der öffentlichen Schule finden. — Die Mädchenschule seit ihrer Gründung unter der Oberleitung von Mademoiselle Meyermac verdient jeden Lobsprnch, den man nur einer ähnlichen Anstalt zollen kann. Thätig unterstützt von der Unterlehrerin Madame Cohn steht diese Schule, die bei 260 Mädchen zählt, an der Spitze sämmtlicher Institutionen in dem Stadttheile. Alle weiblichen Arbeiten, Lesen, Schreiben, Rechnen, genaue Kenntniß der französischen Sprache, Religionslehre, Uebersetzung des Gebetbuches nebst den Anfangsgründen der Geographie, Geschichte und des Gesanges werden hier jüngeren Kindern von 6 — 13 Jahren aus leicht faßliche Weise nach den