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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1852-06-01 · Heft 9 (Juni 1852) · p. [Seite]

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1851-1852)
Issue
Heft 9 (Juni 1852)
Article
Briefe aus Paris
Date
1852-06-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Gemeinde Frankreichs. Der fünfte The-il sämmtlicher Judew des Reichesbewohnt diese Stadt, die noch vor sechzig Jahren kaum vierzig, höchst unbedeutende Familien zahlte. Bis zum Anfänge des - vierzehnten Jahr- Hunderts war die Pariser Kehila Mittelpunkt des Lalmudischen Wissens in der Weise gewesen, daß beinahe sämmtliche Tosafot in einem! Umfange von dreißig Stunden um Paris abgefaßt wurden, dann aber .trat durch Unrecht der Menschen und den Lauf der Verhältnisse eine fünfhundertjährige Unterbrechung ein, die endlich, der Vorsehung und den von ihr gütigft gebrauchten Werkzeugen Dank, mit dem Anfänge dieses Jahrhunderts ihr Ende erreichte. Sechzehn bis zwanzig tausend Juden (die Zahl ist bei vollständiger Freiheit des Glaubensbekenntnisses nicht mit Bestimmtheit anzugeben), haben im Laufe von fünfzig Jahren hier ihren Wohnsitz ausgeschlagen; alle Länder, ja alle Theile der bewohnten Erde haben zu Aussicht, daß die Queensbench sich, für ihn entscheiden, d. i. erklären würde, daß überhaupt ein Eid beim Eintritt in das Parlament nicht gesetzlich nothwendig sei, welches auch die Meinung vieler der angesehensten englischen Rechtsgelehrten ist. In diesem Stadium befand sich nun die Angelegenheit, als uns unser Correspondent seine Nachrichten zukommen ließ. Das Obergericht fällte jedoch in seinen Verhandlungen v. M. ein anderes Urtheil: Unter vier Nichtern erklärte sich einer für, drei gegen Salomons. Salomons siehet sich also nicht nur mit einer bedeutenden Geldstrafe, sondern auch mit dem Verluste aller Ehren- und bürgerlichen blechte bedrohet. Doch stellte schon am 4. Mai Lord Lyndhurst in einer Oberhaus-Sitzung den Antrag, daß das alte Gesetz gemildert und der unbefugt im Parlament Mitstimmende nur zu einer Geldstrafe von 500 Psd. verurtheitt werde. Er hob hierbei hervor, dass, obschon frei von persönlicher Rücksicht, er dennoch den Vorfall mit Salomons im Auge habe, der nicht von trivialen Gründen geleitet worden sei und für den sich auch mehrere ausgezeichnete Nechtsgelehrte erklärt, hätten. Lord Campbell, einer der drei Salomons schuldig sprechenden Queensbench-Richter, erklärte, daß er sich nicht nur über diese angebrachte Bill freue, sondern sie noch weiter-ausgedehnt wünsche, auf die Aufhebung der gegenwärtigen Form des׳ Eides (vergl. oben S. 298). Die Bill erhielt sogleich die erste Lesung,, und wird nach begründeten Nachrichten durchgehen. — Hingegenhat eine Bill, die Lord Ruffelim Unterhause auf Abschaffung des gegenwärtigen Eides einbringen will, keine Aussicht auf Erfolg. Ruffel siehet sich, wie ein zuverläßiger Bericht aus London sagt, in Gefahr, von der City, die ihn der Lauheit in der Judenbill anklagt, nicht wieder gewählt zu werden, und er will nun das Versäumte nachholen, aber ״zu spät!" Der Premier Derby und der Schatzkanzler D'Jsraeli haben sich bereits indireet gegen die Bill erklärt. — Rothschild und Salomons werden dennoch ins Parlament eintreten. Es wird nämlich ein neuer Spreeher (Präsident) im Unterhause gewählt werden, und da die Parlamentsmitglieder erst-׳ nach der Wahl des Sprechers den Eid zu leisten haben, so werden Salomons und Rothschild bis dahin ihren Sitz einnehmen und auf dte Wahl mit-wirken, die auch׳ auf die Wendung ihrer- Angelegenheit׳ manchen Einfluß üben dürste. Dte Red.

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