Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1852)
- Article
- Jüdisch-geschichtliche Studien
- Date
- 1852-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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308 Wissmsehastliche Ar! fsätze. stellen. Es würde aber die Grenzen eines Aufsatzes überschreiten, wollte ich das ganze Detail dieser traurigen Zeit erschöpfend behandeln; dies gehört in die GesauunLgesclüchte. Mit gegenwärtiger Abhandlung will ich nur versuchen, in scharfen Umriffen ein klares Bild von dieser Zeit zu entwerfen und die mattgewordenen Züge durch eine hellere Beleuchtung wieder auszuftischen. Der Kaiser Hadrian, ein Schöngeist, der in Ermangelung römischer Tugenden gern mit Gelehrsamkeit prunkte und mit den Gelehrten vieler Nationen kokettirte, war nicht blos herzlos, sondern verband damit jene raffünrte Grausamkeit, die schwachen Imperatoren in der abnehmenden. Periode der römischen Geschichte eigen war. Die Menschenwürgerei war ihm nicht blos ein Mittel seine Feinde zu vernichten, sondern gewährte ihm eine Art Wollust. Das Opfer einfacJ) tobten, war wenig; es kitzelte ihn, das Opfer zu verhöhnen, und auf dessen Kosten zu witzeln. Hadrian fand Diener, welche es verstanden, den Kaiser durch Befriedigung seiner innersten Natur;u schmeicheln. Der Midrasch Echa hat uns einige Züge dieser Art aufbewahrt, die, wenn auch in einigen wenigen Punkten übertrieben, doch im Ganzen das Gepräge der Echtheit an sich tragen. Es wird erzählt: Hadrian ließ nach Beendigung des Krieges in Juda drei Militäreordons aufstellen, den einen in Hamata (unweit Liberias), den zweiten in Kephar- Lcktija in Galiläa, den dritten in dein j.ubatfd;cn Bethel. Durch diese Militärposten sollten die Flüchtlinge aufgefangen werden. Viele Flüchtlinge hatten aber in den Höhlerl der palästinensischen Kalkgebirge Zuflucht gefunden. Man sann aus Mittel, derselben habhaft zu werden. Herolde machte im Lande bekannt, wer um Gnade sieben würde, entgeht dem Tode. Diejenigen die sich durch diese Kundmachungen verlocken ließen, wurden gefangen. Zuletzt drohete man den Versteckten, sie lebendig zu fangen, versprach ihnen aber Begnadigung bei freiwilliger Unterwerfung. Die Vorsichtigen rührten sich nicht aus ihrem Verstecke; die Leichtgläubigen aber — ohnehin in den Höhlen von Hunger gequält — schlichen aus ihrer« Schlupfwinkel und versammelten sich in dem Thate Bet-Rimon (unweit Bethel). Da befahl Hadrian, während er einen Hühnerschenkel verzehrte, sollte nicht Einer von den Juden am Leben bleiben. Alsbald umringten sie die Legionen und schlachteten sie ab.Z Schaudererregend ist die Erzählung vorr der Hungersnoth derer, die sich in dm Höhlen versteckt hatten. Sie hatten nichts mehr zu 1) Midrasch Echa auf ben Vers על אלה. Die Erzählung hat hier den Zusatz, daß das Blut bis nach Kypros strömte, der aber nur eine Reminiscenz zu sein scheint von Trajans (oder richtiger Turbo's) Metzelei in Alexaudrien (Jeruschaliiii Sucea V. u. Midr. Echa das.)