Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 7 (April 1852)
- Article
- Über manches Polizeiliche des talmudischen Rechts
- Date
- 1852-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
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Briefe aus Paris. 261 nicht die Sittlichkeit und das Naturgesetz zur Grundlage nehmensich nur ein naturwidriges OlcfuXtafc ergeben. — Das Judenthum, das Keuschheit und Sittlichkeit als obersten Satz aufstellt, kann derartigen Bestimmungen keinen Platz einräumen: es vermeint viel׳״ mehr, daß um Sittonreiicheit zu bewahren der Jüngling bald in die Ehe treten soll; nur drängte auch hier wieder die trübe Lage zu einem andern Extrem hin^). Vielleicht wires uns vergönnt sein über Gemeindeordnnug nach ralm. Rechte zu sprechen, und werden wir dann Gelegenheit finden noch Manches über das Polizeiliche dieses Rechts nachzittragen. Frankel. Briefe aus Paris. V. Unter dorr drei südlichen, aus sesardischen Juden größtentheils bestehenden Sprengeln, steht Bordeaux als Metropole dieser Gemeinden all der Spitze des religiösen Lebens in der portugiesischen Jndenheit. Wenn schon im Allgemeinen der sefardische Ritus sich durch eine gewisse Wilrde, die wohl manches von der spanischen Grandezza beibehaltcn haben mag, auszeichnet, so ist dies noch auf bedeutendere Weise der Fall mit dein Hanptorte der Gironde. Prachtvolles Bethans, Vorbeter mit wohlklingender Stimme, Gesänge von erhebender aber nur §u etnförnti* ger Melodie, Ruhe und Andacht zieren und schmücken den öffentlichen Gottesdienst. Würde zu diesen nicht unbedeutenden Vorzügen eine genaue Kenntniß des jüdischen Lebens und Wirkens kommen, so hätten die sesardischen Gemeinden, und unter ihnen vor Allem Bordeaux, einen nicht zu läugnenden Vorrang vor den deutschen Kehilot des Landes. Hierin liegt aber die schwache Seite dieser Lokalitäten, die wohl den klarsten Beweis darin trägt, daß unter den drei Oberrabbinern, welche Frankreich Ln diesem Theite zählt, auch nicht ein Sesardi sich befindet, sondern sämmtlicke Sprengel mit deutschen Juden besetzt sind. Jüdische Theologen find t man beinahe nirgends in diesen Gegenden, und selbst die Kenntniß der hebräischen Sprache ist, mit Ausnahme des größtentheils auswendigen Betens, beinahe gänzlich verschwunden. Doch wäre es ein großer Jrrthum, diesen Zustand dem Seeptieismus oder der Irreligiosität zuzuschreiben. Nirgends genießen Rabbiner und Judenthum eine L) Mchreres hierüber in rmem Aufsätze über das mpsaisch-talmudische Ehe- Pttnekp. 20 *