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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1851-12-01 · Heft 3 (Dezember 1851) · p. [Seite]

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1851-1852)
Issue
Heft 3 (Dezember 1851)
Article
Jüdisch-geschichtliche Studien
Date
1851-12-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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113 .Wissenschaftliche Aufsätze. In der jüdischen Geschichte ist nächst der prophetischen Periode die talmudische Epoche classisch, ihre Figuren find für eine lange Reihe von Jahrhunderten bis in die Gegenwart hinein Muster, ihre Typen galten und gelten noch als Prototypen. Unter der talmudischen Epoche darf man aber nicht etwa blos die Zeit verstehen, in welcher der Talmud als ein abgeschlossenes Ganze behandelt wurde; denn dieses wäre die Reife und die Vollendung. Der talmudische Zeitabschnitt beginnt um viele Jahrhunderte früher, fällt, noch innerhalb der Geschichte des zweiten Tempellebens und — wie nachgewiesen werden soll — in die herodianische Regierungszeit.. Diese große, sechshundertjährige Periode von Herodes bis zum Abschluß des Talmuds, wiewohl sie jüdischer- und christlicherseits eine massenhafte Behandlung erfahren hat und man sich über Mangel an Stoff nicht beklagen kann, ermangelt nichtsdestoweniger, wie jeder Sachkundige eingestehen wird,׳ einer lichtvollen Darstellung. Es fehlt an dem klaren Nachweis eines sicheren Pragmatismus, wo Aeußeres und Inneres, Politik und Lehre, Verfolgung und Widerstand in einandergreisen, und jeder geschichtlichen Erscheinung ihre Auszüge und Folgen zugetheilt werden. Es fehlt nicht blos an einem begabten, synoptischen Geschichtsschreiber, der die vereinzelten Thatsachen in pragmatischen Zusammenhang gebracht hätte, sondern sogar an einem trockneu Chronisten, wie N. Scherira Gaon, der die hervorragenden Facta nur in naturgetreuer Auffassung wiedergegeben hatte. Die Thatsachen stehen vereinzelt ohne historisches Band, ja die Geschichte dieser Zeit liefert einen Wald von Notizen, wo man sich oft vergebens nach einem gebahnten Pfade umschauet; oft rennt eine EinzelnheiL der andern an den Kopf, daß man an dem Wirrwarr irre werden -kann. Diesen Mangel, an -festen Ausgangspunkten gewahrt man nicht blos an den älteren Geschichtsarbeiten über diese Zeit — Geschichtswerke darf man sie kaum, nennen — ich meine an Saeuts Juchasin und an Heilpern's Seder Hadorot, die von kritischer Läuterung nichts wußten, sondern nicht weniger an GeschichLsbearbeitungen aus der kritische, beinah hyperkritischen Schule. Die Schuld liegt aber weniger an den Geschichtsforschern, als an der Natur des Stoffes; die Summe der talmudischen Geschichtsepoche besteht nun einmal aus uuzusammenhängenden Details, und so kann eS wohl geschehen, daß je nachdem die eine oder die andere Notiz zum Leitfaden genommen wird, oft entgegengesetzte Resultate herauskommen. Man vergleiche nur die divergirende Auffassung der beiden jüdischen Geschichtsforscher Napoport und Jost hinfichtbich der Lebenszeit des R. Jehuda Ha-Naßi, des MischnahredacteurS. Nach Jost wäre der bluttrunkene Caraealla oder der unsinnige Heliogabal der Freund R. Jehudas gewesen: dann verdiente er aber Krankel, Monatsschrift. I, ®

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