Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1851)
- Article
- Briefe aus London
- Date
- 1851-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefe aus London. 109 gelebt hätte, sie um ihres Glaubens willen den Scheiterhaufen bestiegen und sterbend für ihre Mörder gebetet haben würde. Und diesen Heldenmuth bewies sie nicht nur in den großen Prüfungen des Lebens, sondern auch in geringeren Leiden und kleinlichen Aergerniffen, indem, sie es für sündhaft hielt, Ungeduld zu bezeigen." Das obenerwähnte Schreiben, welches mehrere jüdische Frauen in England an die Agnilar vor ihrer Abreise richteten, lautete wie folgt: ״Theure Schwester! Unsere Bewunderung Deiner Talente, unsere .Verehrung Deines Charakters, unsere Dankbarkeit für die ausgezeichneten Dienste, welche Deine Schriften unserem Geschlechte, unserem Volke und unserem Glauben — welcher die heilige Sache der wahren Religion in sich einschließt — geleistet haben — alle diese Gründe vereinigen sich, uns zu veranlassen, daß wir uns Dir anfdrängen, um den Gesinnungen, welche wir uns freuen zu hegen, Ausdruck zu verleihen. Bis Du Dich erhoben, ist es in neuerer Zeit nicht vorgekommen, daß ein Weib in Israel als der öffentliche Vertheidiger des Glaubens Israels ausgetreten wäre, daß es mit jener Tiefe und Neinheit, welche das Kleinod des Weibes ist, und jener Geistesstärke und umfangreichen Kenntuiß, welche den Stolz des Mannes ausmachen, seine eigenen Glaubensgenossen aufgesordert hätte, die Wahrheit, wie sie iu Israel ist, werth und theuer zu halten, und Andersgläubige, sie zu achten. Durch Dich haben wir unsere eigene Würde kennen und schätzen gelernt. Du hast uns gelehrt, zu fühlen und zu beweisen, daß kein weiblicher Charakter reiner fein kann, als der des jüdischen Mädchens — keiner frommer, als der der Frau in Israel. Du hast uns sociale und religiöse Gleichheit vindieirt; durch Dein glänzendes Beispiel hast Du triumphirend die Verleumdung widerlegt, daß die jüdische Religion das Herz des jüdischen. Weibes unberührt lasse, — zugleich aber haben Deine Schriften uns jene höheren Motive, jene heiligen Tröstungen, welche von dem geistigen Wesen unserer Religion herrühren und die Seele dazu drängen mit ihrem Schöpfer in Gemeinschast zu treten, und sie auf seine Gnade, als den besten Leiter und Beschützer hier und jenseits Hinweisen, näher gebracht."