Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1851)
- Article
- Briefe aus London
- Date
- 1851-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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100 Briefe aus London. Die Knabenschule ist in drei Hauptklassen getheilt, von denen die Leiden untersten wieder., in 4 und die erste in 2 Klaffen zerfällt. Ueber den Umfang der Lehrobjekte wird man am leichtesten zu einen! klaren Urtheil kommen, wenn ich bemerke, daß von den 640 Schülern 06 Unterricht im ת״נ״ך, ר״ש״י, שלהן ערוך, hebräische Grammatik, hebräischen Styl, in biblischer und allgemeiner Geschichte, Arithmetik, Algebra, Naturgeschichte, Geographie und den sonstigen üblichen ELementargegenftänden erhalten; 194 lernen Lesen, Schreiben, Rechnen, Grammatik und Geographie, Uebersetzung der jüdischen Gebete und des Pentateuch; 390 werden in den Ansangsgründen der hebräischen und englischen Wissenschäften unterrichtet. Außerdem wird die praktische und anschauliche Methode der Pestalozzischen Objekt-Lectionen in allen Klassen und Abtheilungen durchgesührt. Zu diesem Zwecke ist die Anstalt mit dem erforderlichen Erläuterungs-Material hinlänglich versehen; auch fehlt es nicht an Karten, Globen, chemischen und physikalischen Apparaten. Sie besitzt ebenfalls eine ziemlich reichhaltige Bibliothek, die von Freunden der Anstalt durch Geld und Werke unterstützt wird, und aus der den Vorgerückteren Bücher nach Hause geliehen werden. Von den 460 Zöglingen der Mädchenschule, die unter der Leitung der sehr thatigen Frl. Harris steht, sind nur 5 im Alphabet begriffen; 338 erhalten Unterricht in Geographie, Geschichte, Grammatik und Kopfrechnen; 231 lesen die Bibel, lernen die Geschichte von England u. s. w. Der Fortschritt der Mädchen in den weiblichen Handarbeiten wird besonders gerühmt. Eine alljährlich unter dem Vorsitz des Präsidenten der Anstalt Sir Anthony von Rothschild, und unter Leitung des Di־. Adler ab gehaltene öffentliche Prüfung gibt dem Publikum regelmäßigen Beweis von dem gedeihlichen Fortschritte ׳der Schule; und die im Juni dieses Jahrs stattgehabte Examination fiel so befriedigend aus, daß christliche Schulmänner die jüdische Freischule als eine der besten Anstalten ihrer Art im ganzen Reiche gerühmt haben: ein Resultat, das ein hinlänglicher Ersatz der vielen Mühen und Opfer aller sich für die Anstalt Jnteressirenden ist. Wer einen Begriff von dem Grade der Dürftigkeit der hiesigen Armenbevölkerung hat, wird leicht ermessen, daß es einer großen Anzahl von Eltern schon deßhalb unmöglich war, ihre Kinder in die Freischule zu senden, weil sie denselben nicht eine gehörige Kleidung geben konnten. So wären denn die Zwecke der Anstalt in hohem Grade paralysirt worden, hätte nicht die preiswürdige Munifizenz einer nunmehr zu ihren Vätern berufenen Glaubensgenossin dem Mangel abgeholsen. Die Baronin M. N. von Rothschild hat seit dem Jahre 1822 alle Kinder beider