Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1851)
- Article
- Briefe aus London
- Date
- 1851-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefe aus London. 99 D rieft aus fVitiMm. v. Ich fahre heute in meinem Berichte über die jüdische Freischule um so freudiger fort, als manche Glanzpunkte hervorzuheben kommen, die diese Schule zu einer wahrhaft jüdischen und zugleich allgemein nütztichen Bildungsanstalt machen. Dafr die größeren Gemeinden Deutschlands auch eine dieser Anstalt sich nur annähernde Schule nicht besitzen, daß der eigentliche Religionsunterricht, der die Jugend mit dem Glauben und den Schriften ihrer Vater vertrauet mache, darniederliegt, daß der jüdisch-dentsehe!: Jugend die Bibel in der Ursprache allmälig ein ״vorschlossenes Buch" wird das sie nicht zu öffnen weiß, ist vielleicht weniger die Schuld der Lehrer als der Rabbiner, die nicht einsehen daß jetzt der religiöse JugendunLerrieht und dessen Neborwachung ihre eigentliche Aufgabe sei, und sie hier noch mehr als in gelehrten Werken oder ans der Kanzel ihre Thätigkeit entwickeln sollen. Doch nicht über Deutschlands größere Gemeinden sondern über fiontmn will id) Ihnen schreiben: und hier bieten sich nach obiger Richtung treffliche Lichtseiten, dar. Mein voriger Brief hat Ihnen im Allgemeinen mm dem Interesse erwähnt, das der Oberrabbiner \h\ Adler an der Jugenderziehung nimmt. Dieses Interesse tritt besonders in Beziehung zu der -Freischule hervor. Adler besucht sie fleißig, wohnt dem Unterrichte bei, prüft die Zöglinge und muntert sie ans! sein Wort wirkt heilsam auf die Schüler, seine/nicht in gebietender sondern in brüderlicher liebender Sprache gemachten Bemerkungen, werde!: von dm Lehrer!: freudig anfgeuommen.— Die Schule wird aber auch noch von einer andern Seite gehoben: durch ihren Rektor Mr. Alm Angel, einen energischen, geistvollen Mann, der an der London Nniversity eine gründliche Bildung genossen hat. Zn der Aeqnisition dieses Mannes darf sich die jüdische Gemeinde Mir Recht Glück wünschen, da er mit der Tüchtigkeit und Gewandtheit als Lehrer eine gemüthliche Liebenswürdigkeit verbindet, durch die er die Herzen seiner Zöglinge gewinnt. Die Knabenschule wird jetzt von 640 Zöglingen besucht; die Mädchenschule zählt deren -460, so daß gegenwärtig eilf hundert Armentinder die Segnungen der Anstalt genieße!:. Wie :!:an sieht ist die Anzahl beträchtlich größer als ursprünglich beabsichtigt war, und auf Ungezogene Erkundigungen erfahren wir, daß bis jetzt noch alle-Anineldnngen haben berücksichtigt werden können, und daß man sogar im Stande ist, Ln der Knabenschule noch etwa 100 Zöglinge :!:ehr ausznnehmen: so daß also die Anstalt bis jetzt ihren: Zwecke in voller Ausdehnung entspricht. 8*