Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1851-12-01 · Heft 3 (Dezember 1851) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
1 (1851-1852)
Issue
Heft 3 (Dezember 1851)
Article
Schutzschrift des Josephus Flavius gegen Apion
Date
1851-12-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829133-2829137-2851553--00126-2851578
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Schutzschrist des Jösephus Flavins gegen Apion.!>5 ist nicht nur durch und durch schauspielartig, sondern sie fließt von mit Grausamkeit geschwängerter Unverschämtheit über. Und sie wälzt noch keineswegs von Antiochus, wie Jene vermeinen die sie ihm zur Liebe ersannen, de« Vorwurf der Tempelschändung ab. Er ging nicht in den Tempel weil er etwas dergleichen muthmaßte, sondern er fand (das Vorerwähnte) ohne sei» Erwarten: seine Absicht verbleibt also immer schändlich. Welch ein Uebermaß von Lügen sich aber hier finde ist leicht zu erkennen. Wir stehen nicht nur von den Griechen, sondern noch mehr von den Egyptern und Anderen durch Verschiedenheit der Gesetze ab. Nun kommen doch zuweilen ans jeder Gegend Reisende zu uns: und nur gegen die Griechen sollten wir uns durch Blutvergießen verschwören! Und wie ist es möglich, daß zu diesem Opscr sich alle Juden versammelten, und daß die Eingeweide, nach Apions Bericht, zum Kosten für so viele Tausende hinreichten? Und warum führte nicht Antiochus den ausgefundenen Mann, wer er immer war (sein Name ist nicht ausgeschrieben) in Triumph in sein Vaterland zurück? Hierdurch würde er als fromm und großer Freund der Griechen gegolten, und der Haß gegen die Jude» einen ungemeinen Zuwachs gewonnen haben'. Doch ich breche ab: Unsinnige muß man nicht mit Worten sondern nntThaten überführen. Alle die unfern Tein-- pel sahen wissen, von welcher Heiligkeit und unantastbarer Reinheit er war. Er hatte vier Hallen, und jede dieser Hallen hatte ihre nach Gesetz vorgeschriebene Heilighaltung. In die äußere Halle durste Jedermann, auch die Fremden eintreten; nur die menstruirenden Frauen waren ausgeschlossen. In die zweite Halle Männer und reine Frauen: in die dritte Juden männlichen Geschlechts, in die vierte nur die Priester in ihren Priesterkleideru: in das Allerheiligste aber nur die Hohepriester in einer besondern Bekleidung*). Die Beobachtung der Heiligkeit verlangte, daß die Priester rp gewissen Stunden ins Heiligthum gehen mußten: des Morgens Begründung, da schon ein Apion erzählt, daß man im Tempel zu diesem Zwecke gemästete Griechen fand; und die Geschichte straft ihn doch nicht Lügen!! — Ueberhaupt dürsten manche Deutschthümler und andere fromme Staatsmann er mehrere oben von Apion gebrachten und noch weiter zu bringenden Anklagen genau durchgehen und sie werden finden, daß ihre Argumente für christlichen Staat und Ausschließung schon in dem Munde des böswilligen Apion lebten. Es liegt also in derartigen Argumentationen keine Glorification irgend eines Glaubens, sondern wie fle Jösephus bezeichnet, der Ausdruck einer ungerechten, entwürdigenden Verfolgungssucht oder einer bedauernswertheu bigoten Politik. *) Vgl- Mischna Kelim 1, 8. 9.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.