Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1851)
- Article
- Schutzschrift des Josephus Flavius gegen Apion
- Date
- 1851-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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82 Schutzschrist des Josephus Flavins gegen Apion. und vertrauete sogar dm Juden manche Festung an, in die er sie als Besatzung verlegte. Noch günstiger erwies sich ihnen sein ihm in der Negierung folgender Sohn Ptolemäus Philadelphus, der, ein Freund der Wissenschaften, die berühmte alexandrinische Bibliothek gründete und daselbst auch die heiligen Schriften der Juden ׳ zu besitzen wünschte. Unter den folgenden Ptolemäern — den Königen dieser Dynastie — genossen die Juden große Auszeichnung: sie waren mit Aemtern amb Würden bekleidet; und unter Ptolemaus Philometor und. dessen Gattin Kleopatra standen zwei Juden als Feldherrn an der Spitze der ganzen Militärmacht. Die Politik der Ptolemäer scheint überhaupt darauf gerichtet gewesen zu sein, die Anhänglichkeit der Nachkommen der, sich bei der Gründung Alexandriens daselbst ansässig gemachten Macedonier und Griechen und der herbeigezogenen Kolonisten, zum Schwerpunkte des Bestehens ihrer Herrschaft und der Erhaltung der innern Ruhe zu machen, und in ihr einen Damm zu finden gegen die leicht erregbaren, und weder nach außen noch nach innen sich als taugliche Bürger bewährenden Egypter. Die Juden wurden daher vollständig als Einheimische betrachtet, und sie sähen sich auch dafür an. Sie hatten sich in Egypten sehr vermehrt, ihre Zahl betrug daselbst über eine Million; und zu 'Alexandrien, das Ln fünf Quartiere getheilt war, hatten sie, wie der jüdische alexandrinische Philosoph Philo erzählt, zwei Quartiere ganz inne, und wohnten auch in den anderen Stadttheilen. Sie zeigten sich aber auch bei mehreren Gelegenheiten durch Treue und Anhänglichkeit des Vaterlandes würdig; und schön drückt derselbe Philo ihr eigentliches Verhältniß aus: ״Die Juden halten zwar die heilige Stadt, da sich in ihr der Tempel des höchsten Gottes befindet, für die Metropolis; aber das Land, wo sie seit der Väter und Vorväter Zeit ihren Wohnsitz haben, und wo sie geboren und erzogen wurden, nennen sie ihr Vaterland/' (Philo gegen FlaeenS §. 7.) Die Herrschaft der Ptolemäer hörte nach drei hundertjähriger Dauer mit der bekannten letzten Kleopatra auf; und Egypten, schon lange zerrüttet und von Nom abhängig, wurde durch Octavian eine römische Provinz. Den Juden brachte diese Umgestaltung äußerlich keinen Nachtheil: Julius Cäsar hatte schon früher dm Juden zu Alexandrien viele Gerechtigkeiten gegeben, die öffentlich auf einer Säule verzeichnet waren; und Octavian, den Juden nicht minder günstig, ernannte einen jüdischen Senat, einen, wie es scheint, mit der Wahrung der Interessen ihrer Glaubensgenossen beauftragten Verwaltungsrath, vielleicht ein Synhedrium (vgl. Philo a. a. O.) Dem Tieferblickenden konnte jedoch kaum entgehen, daß mit dem Verluste der Selbstständigkeit Alexandriens das Bestehen der Juden bedrohet sek. Schon unter dm letzten Ptolemäern,