Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Der literarische Kampf um die Emanzipation in den Jahren 1816-1819
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 665 (sequence 21)
- Language
- German
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Der literarische Kampf um die Emanzipation in den Jahren 1816-1819 665 gabe einer eigenen Wissenschaft des Judentums sein, unter der sie nicht allein die Erforschung der gesamten Verhåltnisse, Eigentiimlichkeiten und Leistungen der Juden in Beziehung auf Religion, Philosophie, Geschichte und Rechtswissenschaft, Literatur, Biirgerleben und alle menschlichen Angelegenheiten, sondern auch die Erforschung des Einflusses verstanden, den die Idee des Judentums auf die Entwicklung des menschlichen Geistes ausubte27. Aber die Wissenschaft nicht allein um der Wissenschaft willen. Die Erforschung der Yergangenheit soilte vielmehr nach innen und nach auBen, im Tageskampf und dariiber hinaus auf das Leben wirken. Sie sollte eine feindliche Umwelt iiber die religiose Uridee des Judentums aufklåren, in der sich der Weltgeist einst ebenso offenbarte wie in Griechentum und Christentum und ihr so die Moglichkeit geben, sich iiber Wert und Unwert der Juden, iiber ihre Fåhigkeit und Unfåhigkeit zur Gleichstellung und Gleichberechtigung ein tieferes und begriindeteres Urteil zu bilden. Und in ihrer Wirkung auf das Judentum sollte sie das Problem losen, um das die Generation jener Tage am inbriinstigsten und sehnsiichtigsten rang: das der volligen Aufgabe und der Hingabe an die Umwelt oder das der Selbsterhaltung und damit AbschlieBung und Absonderung von ihr. War die Wissenschaft, wie eine hochgestimmte, zum BewuBtsein ihres Geistes gekommene Zeit glaubte, die alleinige Trågerin der Wahrheit, die Mittlerin der feindlichen Welten, die Versohnerin aller Gegensatze und Konflikte, so war sie allein auch imstande, das Besondere mit dem Allgemeinen, das Individuum mit der Menschheit, die Kation mit der Welt zu verbinden. MaB man der Wissenschaft diese Bedeutung bei, so muBte man sie auch fin? fåhig halten, das Judentum zum BewuBtsein seiner selbst zu bringen und gleichzeitig mit der Umwelt zu versohnen, den europåischen Organismus durch die jiidische Idee zu bereichern, ohne die Juden zum Yerzicht auf das ihnen eigentiimlicheWesen zu zwingen. „Aufgehen ist nicht untergehen. Nur die storende und bloB auf sich reflektierende Selb- 27 ImmanuelWolf, tlber den Begriff einer Wissenschaft des Judenthums. Zeitschrift fiir Wissenschaft des Judenthums. Bd. I. 1823.