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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 657

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Der literarische Kampf um die Emanzipation in den Jahren 1816-1819
Date
1939-01-01
Page
Seite 657 (sequence 13)
Language
German
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IRI
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Der literarische Kampf ran die Emanzipation in den Jahren 1816-1819 657 Gegenbewegung kråftiger als in den Romantikern, denen sich ein ideelles Prinzip und ein Willensideal allzu sehr in denWeg s teliten; eine merkwurdige Parallele zu der gleichen Erscheinung bei einem Teil der Aufklårer, deren Wortfuhrer Voltaire gewesen war. Auch das menschliclie Empfinden und der christliche Sinn, vom Mitleid und nicht wie bei den Romantikern von einem katholisierenden Erneuerungsprinzip bestimmt, sprachen mit. Tendenzen des spater zur Reife gekommenen Liberalismus verbanden sich mit Ideen der ålteren, unter der Wirkung der Romantik zu Ende gehenden Zeit. Immer wieder spurt man auch auf dieser Seite, der Geistigkeit jener Epoche entsprechend, das Allgemeine im Besonderen. Der Karlsruher Theologe Joliann Ludwig Ewald emporte sich in seinen ,,Ideen iiber die nothige Organisation der Israeliten in christlichen Staaten“ (1816) iiber den fanatischen Geist des Professors Fries, mehr noch iiber die ganze intolerante Weltanschauung der neuesten Zeit. Im Gegensatz zu Riihs und Fries fiihrte Ewald die den Juden zum Vorwurf gemachte Absonderung auf das Verhalten des Staates selbst zuriick, der durch Entrechtung und Beschrånkung die Juden zur Aufrechterhaltung der eigenen Nationalitåt formlich zwinge und sie durch Feindseligkeit zu bedriickten und verbildeten Geschopfen machte. Ilim war das Judentum die Mutter aller Religiositåt, weil von ihm die Lehre von einem einzigen Gott ausging und weil es in einer Zeit, in der Sklaven wie Tiere behandelt wurden, seine einzigartigen Sittengesetze aufgestellt und seine humane soziale Gesetzgebung geschaffen hatte17. Wahrend der streitbare Heidelberger Theologe und GroB- 17 August Kramer, ein furstlich Thurn- und Taxischer Kat und Bibliothekar in Regensburg, macbte in seinem Buch „Die Juden und ihre gerechten Anspriiche an die christlichen Staaten“ (1816) den Versuch, die Gegner der judischen Nation mit den Juden auszusohnen und eine Menschenklasse, deren angeborenen Rechte er laut anerkannte, in einem milderen Lichte vorzufuhren. Zu diesem Zwecke ruhmte er die edlen Eigenschaften der Juden, dieser friedlichen und fieiBigen Burger, die die Yerfassungen der Lander, in denen sie lebten, nie kritisierten, alle Lasten und Steuern willig trugen und ohne TJnterschied des GlaubensWohltaten gegen Bedurftige ubten ...

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