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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 656

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Der literarische Kampf um die Emanzipation in den Jahren 1816-1819
Date
1939-01-01
Page
Seite 656 (sequence 12)
Language
German
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656 Selma Sara Tåubler-Stern Kunste noch Wissenscbaft pfLegten, sondern als Pensionåre auf Kosten des Staates lebten. In seinem Bucb „Das Judenburgerrecht“ (1817) bekåmpfte Franz von Spaun die Emanzipation der Juden vom religiosen Standpunkt aus. Er sah in der Toleranz des 18. Jahrhunderts den unglucklichen Yersuch, das Unmogliche ermoglichen zu wollen, nåmlich dureb einen gefåhrlichen alchimistischen ZusammenschmelzungsprozeB dissidierende Beligionsgenos sen miteinander zu vereinigen und zu Burgern desselben Staates zu maeben. — Unter dem Pseudonym Horatius Cocles verteidigte der Graf Benzel-Sternau, ein bober badiseber Beamter, in seinem „Anti-IsraeU' (1817) die guten alten Ordnungen gegen die Heuschreckenscbaren der Neuerer, gegen die Toleranz, diese erstgeborene Tocbter des Satanssobnes Indifferentismus, gegen die alles entnervende Gewissensfreibeit und vor allem gegen die aus dem Geist der Anarcbie, der Aufklårung und des Jakobinismus geborene Emanzipation der Juden. Im Gegensatz zu Dobm, diesem, wie er sagt, von Afterweisen vielgelobten Verteidiger der Juden, der die Scbuld an ibrem geselligen und menseblieben Yerderben auf ibre tausendjåbrige XJnterdruckung zuruckfiibrte, wollte Benzel-Sternau in ibrer biirgerlichen Rechtslosigkeit den Willen derVorsebung erkennen, die Juden dureb Leiden undYerfolgungen zur Annahme des reebten Glaubens zu bekebren. - Der Yolkswirtscbaftler Jobann Ludolf Holst wiederum untersuebte in seiner 1818 veroffentlichten ausfuhrlichen nationalokonomiseben Abbandlung „tlber das Yerbåltnis der Juden zu den Christen in den deutschen Handelsstådten* ‘ die Grunde, die den groben wirtscbaftlichen Aufschwung der Juden ermogliebten und die aus den ebemaligen Hausierern, Geldwechslern und Trodlern erfolgreicbe Tlnternehmer, Bankiers, Exporteure und Fabrikanten gemaebt batten. Als eine der Ursachen betraebtete er den Niedergang der Innungen, der die Einfiihrung von neuen, an die strengen Zunftbestimmungen niebt gebundenen und daber den Juden erlaubten Handelsgegenstånden erleichterte und ibnen die Einfubr von Luxus- und Manufakturwaren, von auslåndischen Natur- und Kunstprodukten und den Handel mit in- und auslåndischen Fabrikanten in die Hånd spielte. Einen zweiten Grund sah er in der Handelsuberlegenheit Englands, das seine Fabrikwaren in ungeheurer Menge in Deutschland einstromen liefi und sicb dabei der Juden als der wiehtigsten Faktoren fur den Yertrieb dieser Waren bediente. Ein drittes sebr wesentliebes Moment war ihm dann ibr ausseblie blicher Geldbandel, mit dem sie Agio tieren, Diskontieren und Wecbselmåkelei verbanden. 2. Es konnte der Gegenbewegung, die sofort einsetzte, niclit so sehr daranf ankommen, die judenfeindliehen Ubertreibnngen zu mildern oder zu widerlegen, als zu erklåren3 wie die getadelten Erscheinungen entstanden waren und wie ihnen abzuhelfen sei. Der geschichtliche Sinn wirkte in diesem Falle in den Vertretern der

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