Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Judaica in nummis
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 601 (sequence 12)
- Language
- German
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Judaica in nnminis 601 B. Medaillen (Denk־ und Schau־ einschließlich Spottmünzen) nach Ländern. Z. B. Belgien: Erinnerung an die angebliche Hostienschändung im Jahre 1370. verschieden gelesen ־werden kann. Narkiss erwähnt diese Münze in einem Katalog biblischer Phantasiemünzen, den er 1929 in der Zeitschrift ״Misrach umaaraw“ (Bd. 2, S. 103—116) veröffentlicht hat, unter Nr. 11. Im Bezalelmusenm zu Jerusalem befindet sich diese Münze nicht; Narkiss beschreibt sie auf Grund der Beschreibung von M. A. Levy in dessen Gesch. der jüd. Münzen (Leipzig 1862, S. 162) und verweist im übrigen auf das Bleiexemplar in der Sammlung der Hamburger Gesellschaft für Jüdische Volkskunde und die ״Mitteilungen zur Jüd. Volkskunde“, 1898, S, 67, Ni. 122. Narkiss schlägt auf dem Revers eventuell die Lesung ״Chanukkah“ vor, was an sich schon wegen der Form der Buchstaben sehr unwahrscheinlich ist; auch besteht keine Beziehung zwischen König Saul zu irgendeiner historischen Einweihung. Ich glaube, eine andere Lesung Vorschlägen zu können, wobei ich von der mit Saul verknüpften Münztradition des Talmud ausgehe, die ich hier noch einmal kurz wiederholen muß. Im Talmud Jeruschalmi, Tr. Sanhedrin III existiert der einzige Hinweis auf eine derartige Münze, der, wie ich aunehme, auch zu ihrer Anfertigung im 16. oder 17. Jahrhundert geführt hat, als man biblische Phantasiemünzen nach den Beschreibungen in der jüdischen Literatux in großem Umfange prägte. Davids Witwe Abigail, so heißt es a. a. O., weigerte sich, die Herrschaft Davids anzuerkennen, mit der Begründung: עדיין מוגיטא דמרן שאול קיים. Das Wort מוניטא bedeutet eigentlich: Name, Ruf, Andenken, vom lateinischen monitum Gedächtnis. Abigail wollte also danach zum Ausdruck bringen, daß Saul im Herzen des Volkes noch lebendig sei, und es sich daher für David nicht zieme, seine Stelle einzunehmen. Aber das Wort moneta bat bei den Römern die Bedeutung ,,Geld“ angenommen, weil die Münzgeräte im Tempel der Göttin Juno Moneta auf dem Kapitol zu Rom aufbewahrt wurden. So wurde also jenes Wort der Abigail im späteren Mittelalter dahin verstanden, als ob es zur Zeit des David noch Münzen des Saul gegeben habe (während es in Wirklichkeit weder unter Saul, noch unter David, noch überhaupt zu jener Zeit schon Münzen, geprägtes oder gegossenes Geld gegeben hat). Als nun im Mittelalter die Industrie der erfundenen biblischen Münzen blühte, prägte der zweifellos nicht jüdische Münzer, der kein Hebräisch verstand, auch eine Saulmünze, auf deren Rückseite er das ihm als charakteristisch angegebene Wort setzte: HAMONETA המונת, so daß die Aufschrift besagen will: Dies ist die Münze (moneta), an die Abigail bei ihrem Ausspruch gedacht hat. Daß ״moneta“ auf der Münze mit ת statt mit ט und am Schluß aus Platzmangel oder Unkenntnis ohne א bzw. n geschrieben ist und daß das ג zu breit geworden ist und wie כ anssieht, stört diese Deutung nicht, da die hebräischen Buchstaben auf den Phantasiemünzen vielfach sehr unklare Formen erhielten.