Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Maimon und Cohen
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 560 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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560 Hugo Bergmann So ist für Cohen wie für Maimon das Differential das Denkmittel der Erzeugung des Gegenstandes, wenn auch Cohen von einem ganz anderen Ausgangspunkt, nämlich der Praxis der mathematischen Naturwissenschaft, ausgeht, Maimon dagegen von einem als metaphysische Realität verstandenen Differential der Sinnlichkeit. Sowie für Maimon das Differential das Mittel ist, die Sinnlichkeit, die nun einmal dem endlichen Menschenw^esen anhängt, wenigstens im Prinzip durch eine rein gedankliche Setzung zu überwinden, so sieht Cohen in ihm das Denkmittel, welches ,,den Knoten der Anschauung durchhaut“, das Verhältnis von Anschauung und Denken ,,aufklärt“ (Inf. § 32, 33) ,,das Verhältnis von Sinnlichkeit und Denken zu genauer Bestimmung bringt“ (§ 86), ״die Korrelation von Sinnlichkeit und Denken bestimmter und durchsichtiger regelt“. Der erwähnte Unterschied freilich im Ausgangspunkte der beiden Denker macht sich hier, im Bereiche der Verwendung des Differentials zur Erzeugung der Realität, sehr stark geltend. Für Maimon ist das Differential nur Symbol der metaphysischen Idee einer vollständigen Intellektualität, die für uns unerreichbar ist; er will ״durch das Reduzieren der Anschauung auf ihre Elemente die Möglichkeit einer Metaphysik überhaupt erklären“, Cohen dagegen geht von der Physik und ihrer Verwendung der Differentialreehnung für die Überwindung der Anschauung durch den objektivierenden Begriff aus. Die Differentiale höherer Ordnung interessieren daher Maimon als solche gar nicht, während Cohen ihnen eine besondere Stelle und Verwendung zuweist. Das Differential stellt ein Gesetz dar. Aber noch bleibt die Vielheit der Qualitäten, der Gesetze selbst, die zu vereinheitlichen ist. Dies zu leisten, also innerhalb der Vielfältigkeit der Gesetze einen stetigen Übergang und ein sich erhaltendes Moment zu entdecken, ist nach Cohen Sache der Differentiale höherer Ordnung. ,,Angesichts desUnendlichkleinen zweiter Ordnung wird das Unendlichkleine erster Ordnung zu einem Variablen, das seine Realität, das Gesetz seiner Variabilität, in dem der zweiter Ordnung empfängt . . . die Kontinuität der Realitäten hat die höheren Ordnungen des Unendlichkleinen