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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. Seite 547

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Isaac Bernays
Date
1939-01-01
Page
Seite 547 (sequence 15)
Language
German
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IRI
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Isaac Bernays 547 hat der Liberalismus seinen unverlierbaren Anteil an der bewußten Entwicklung des Judentums beigetragen. Isaac Bernays war darin ein ״Romantiker44 in der späteren reaktionären Bedeutung des Wortes, daß er über der Schwärmerei für die Wiederherstellung eines messianischen Opferdienstes, wo die Gottheit ״wieder in die verheißene Stätte zum Aufbau eines nicht neuen, sondern alten, aber von der inneren Heilung begleiteten äußerlich reinigenden Opfertempels heilig und hehr einkehren wird4 4, den gerechten Anspruch der unmittelbaren Gegenwart übersah; als ״göttlich-historische Stützpunkte44 des Judentums erschienen ihm nur die Vergangenheit offenbaren göttlichen Wirkens und die messianische Zukunft. Andrerseits aber war Isaac Bernays ein Vertreter romantischen Judentums auch in dem positiven Sinn dieses Wortes: indem er Judentum als sichere eigene Grundlage eines weitausgreifenden, der Aufnahme und Verarbeitung alles Neuen und Alten fähigen Menschentums lehrte und lebte, indem er über die grauen Gedankengespinste des Denkens hinaus die farbigen Bereiche der Seele öffnete, hat er den Zugang erschlossen zu den noch ungehobenen Kräften, aus denen jede Neuschöpfung sich speist. Ein Gebilde wie das Judentum besteht, ganz ebenso wie der einzelne Mensch, aus Leib, Seele und Geist. Seit etwa hundert Jahren haben sich diese Elemente eines Ganzen, dessen Struktur sich im Bewußtsein jedes seiner Glieder, in jedem einzelnen Juden also, wiederholt und spiegelt, verteilt auf Bewegungen, Richtungen und Strömungen im Judentum, von denen eine die andere auszuschließen meint und scheint, wie es am Liberalismus mit der einseitigen Ausbildung der Geistesfunktion, am Konservativismus eines Isaac Bernays mit der Wertverlagerung auf die Ritualform und ihren Seelengehalt gezeigt wurde. Wie nun aber der einzelne Mensch nur wirklich und voll lebensfähig ist, wenn er aus der Gesamtheit seiner elementaren Kräfte heraus lebt, so kann auch das Judentum als Gestalt nur zeugen und gebären, wenn darin Leib, Seele und Geist miteinander verbunden, eins bewußt entwickelt wie das andere, jedes an seiner Stelle wirkt. 35*

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