Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Isaac Bernays
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 541 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Isaao Bernays 541 bestand aus Juden, die von europäischer Bildung bereits ergriffen waren, und setzte sich die Verbreitung dieser Bildung zum Ziel, zusammen mit dem Bestreben, auf die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden hinzuwirken. Diese Ziele bedingten sich gegenseitig: unter dem Eindruck gewaltiger Überlegenheit der europäischen Kultur gegenüber dem ererbten Judentum wurde die Sehnsucht rege, an den Gütern dieser Kultur als Gleichberechtigte teilzuhaben und teilzunehmen, gleichzeitig aber auch die Überzeugung von der Richtigkeit dieses Weges einer Mehrzahl der Juden zu vermitteln, so daß diese als Gesamtheit der Erteilung der Bürgerrechte würdig befunden werden könnten. Nun aber war dieser Verein zusammengetreten, um einer in den jüdischen Oberschichten bedrohlich anwachsenden Taufbewegung entgegenzuwirken. Es ergab sich also die Notwendigkeit, beide Tendenzen — Aufrechterhaltung des Judentums und Erlangung bürgerlicher Gleichberechtigung für die Juden — zu vereinigen. Das Mittel dazu schien in Hegels Philosophie zu liegen. Wenn nämlich, wie bereits Mendelssohn es begonnen hatte, Judentum begriffen wurde als geistige Idee, so gehörte diese Idee, als besonderer Beitrag der Juden, dem allgemeinen Menschheitsreiche der Ideen an, und daran teilzunehmen, schloß den Zugang zu den anderen Bereichen der Idee der Vernunft, die den Gegenstand europäischer Wissenschaft bildeten, nicht aus. Da nun aber, nach Hegels Definition, alles was nicht ,,vernünftig"4 war, auch eigentlich nicht existierte, verloren alle Bestandteile des Judentums, die in dem Gebäude von Vernunftbegriffen nicht unterzubringen waren, ihre Existenzberechtigung, also der irrationale, mystische, poetische und symbolische Gehalt des Kultus, des Religionsgesetzes und des Brauchtums. Indem man die konkrete eigene Sonderart dergestalt in allgemeine Begriffe verwandelte und dartat, daß diese mit denen der Umwelt übereinstimmten, hatte man zwar die Gleichheit oder wenigstens Parallelität der Ideen erwiesen. Gleichzeitig aber fiel nun auch jeder rationale Grund fort, an diesem Eigenen in seinem Gesamtgehalt festzuhalten, und übrigblieben dafür nur unklare