Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Etwas von den jüdischen Hochzeitsbräuchen
- Date
- 1939-01-01
- Page
- 469 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Etwas von den jüdischen Hochzeitsbräuchen Von Samuel Krauß 1. כבס als Terminus der Übergabe der Braut an den Mann Diesen Terminus behandle ich in meiner Talm. Arch. II, 445 Anm. 301 mit dem Bemerken, daß er der deductio in domum mariti des römischen Rechts entspricht. Seitdem hat A. Büchler eine Menge Stellen aus Talmud und Midrasch gesammelt, die diesen Ausdruck als formelhaft erweisen. Damit wird angegeben, daß die Frau endgültig in des Mannes Haus oder Gewalt gebracht wird, aber durchaus nicht in dem Sinne, daß die Ehe vollzogen wird. Letzteres wird erst durch נכנסה לחופה ausgedrückt. Nun glaubt Büchler bewiesen zu haben, daß die Formel נכנסה לרשות בעלה oder ähnlich gebraucht worden sei in Jerusalem und im übrigen Juda vor 70, während הכנס לחופה und חופה überhaupt erst nach dieser Zeit in Galiläa aufgekommen sei. In einem größeren Artikel, überschrie־ ben 1חופת חתנים, habe ich den Beweis geführt, daß ein solcher Unterschied weder dem Orte noch der Zeit nach gemacht werden könne, vielmehr sei חופה von biblischer Zeit her ein feststehender Begriff gewesen, der an allen Orten und zu jeder Zeit im Judentum gebraucht wurde; ״einziehen in die Gewalt (רשות) des Mannes“ — das ist eben das Kommen der Frau in die Chuppa des Mannes, denn die Chuppa gehört eben dem Manne. Ich getraue mich nicht, das Wort חופה mit einem deutschen Worte zu ersetzen, weil es sehr zweifelhaft ist, was wohl der ursprüngliche Sinn von חופה gewesen sein mag2. Jedenfalls hat das Wort einen großen Wandel durchgemacht, und die heutige Chuppa ist nicht dieselbe wie zur talmudisehen Zeit. Es sei auch aufmerksam gemacht auf die in jedem Siddur stehende Formel כן יכנס לתורה ולחופה ולמעשים טובים; das ist ein Segen oder ein frommer Wünsch, dem männlichen Kinde auf den 1 In der hehr. Zeitschrift *Ozar Chajjim 5696 S. 1—3, 46, 101—106. 2 Mehreres darüber s. in meinem vorgenannten Artikel.