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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. 390

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Die Stellung des Judentums im Dialogus des Peter Abaelard
Date
1939-01-01
Page
390 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Die Stellung des Judentums im Dialogus des Peter Abaelard Von Hans Israel Liebeschütz Das 12. Jahrhundert hat uns eine lateinische Schrift hinterlassen, die für die damalige Beurteilung des Judentums nicht ohne Interesse ist. Sie ist betitelt: Dialog zwischen einem Philosophen, einem Heiden und einem Christen und stammt vom Meister Abaelard, der als Philosoph und Theologe eine ebenso berühmte wie umstrittene Figur seiner Zeit war. Die Schrift ist, wie eine Anspielung zeigt, das Werk seiner letzten Tage; sie entstand 1141/42 in Cluny. Die• Einleitung erzählt von einer Traumerscheinung, in der Abaelard von drei Männern als Schiedsrichter im Streit ausgerufen wird. Sie betonen, daß sie alle einem Gott dienen, aber auf verschiedenem Wege. Der eine von ihnen ist, wie sich später zeigt, von Nation Araber, nach seinem Bekenntnis aber Philosoph, der zweite ist Jude, der dritte Christ1: Diese beiden haben zur Begründüng von Denken und Tun ihre heiligen Schriften, die für sie bindend sind; der Philosoph will keine andere Beweisgrundlage zulassen als die für die Vernunft erfaßbare Weltordnung. Er hält es für möglich, aus dem heiligen Schrifttum, dessen Anhänger seine Gegner sind, Beweise abzuleiten, die Juden und Christ zwingend zu seiner Sache herüberführen; für sich selbst lehnt er die Autorität der Schrift grundsätzlich ab, und diese Haltung gibt dem Ganzen seinen Charakter2. Der Christ erkennt den Grundsatz ausdrücklich an, daß niemand von Voraussetzungen aus, die für ihn nicht gültig sind, von der Wahrheit einer Sache überzeugt werden kann3. Der Philosoph übernimmt die Führung des Gesprächs, das sich vor Abaelard abrollt; er stellt die Fragen und macht die Einwürfe, auf Grund deren die beiden anderen das Wesen ihres Glaubens auseinandersetzen. Am Anfang klingt es fast nach dem 18. Jahrhundert, 1 Die Schrift steht unter dem Titel Dialogus inter philosophum, judaeum et ckristianum unter den Werken Ahaelards, Migne Patrolog. Lat. Bd. 178, die zitierte Stelle: col. 1611, 1612A. 2 1613 B. — 3 1641 B.

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