Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Gnostische Motive im rabbinischen Schrifttum
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 389 (sequence 21)
- Language
- German
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Gnoßtische Motive im rabbinischen Schrifttum 389 sie ein und legten sie in die Truhe. Die Toren unter ihnen gingen hin und verrichteten in ihnen ihre Arbeit. Nach einiger Zeit verlangte der König seine Gewänder zurück. Die Klugen unter ihnen gaben sie sauber geglättet wieder, die Toren unter ihnen beschmutzt. Da freute sich der König über die Klugen und zürnte über die Toren. Zu den Klugen sprach er: meine Gewänder mögen in die Schatzkammer getan werden, und sie mögen in Frieden zu ihren Häusern heimkehren. Zu den Toren sprach er: meine Kleider mögen dem Wäscher übergeben, und sie sollen ins Gefängnis getan werden. Daß die Seele hier mit einem Gewand verglichen wird, ist ausgesprochen mandäisch. Der Seele des Frommen harrt sein himmlisches Gewand, womit sie sich nach dem Verscheiden bekleidet. Das Gewand ist ein ,,Gewand des Lebenscc (vgl. Lidzb., Mand. Lit. 80, 86, 163, Joh. II 121, s. Scheftelowitz, Manich. Rel. 534.5). Die "Beziehung zur Gnosis verrät sich auch im Gegensatzpaar der Klugen und der Toren als der Menschen der Gnosis und der irdischen Verstrickung. Der Heimkehr der Seele in die Schatzkammer entspricht auf der Gegenseite die Fesselung im ״Gefängnis“. In unserem Zusammenhang wichtig ist vor allem der Gedanke, daß die Gewänder des Lebens in dieser Welt verborgen gehalten werden müssen. Die Klugen legen sie daher in die Truhe, während die Toren sie der Welt preisgeben und beflecken. Gewiß kann man das Gleichnis auch ohne die gnostischen Bezüge als Lehre von der Reinerhaltung der Seele (etwa im Sinne des Gebets אלדד נשמה) verstehen. Aber es gewinnt seine volle religionsgeschichtliche Durchsichtigkeit erst von den gnostischen Parallelen her. — Daß die verborgenen Mysterien der Tora in der kommenden Welt offenbart werden, ist ein häufig auftretendes Motiv (vgl. Midr. Ps 93 u. a.). Die Toramystik greift aber bereits in andere gnostische Motivkomplexe hinüber und braucht daher in diesem Zusammenhang nicht verfolgt zu werden.