Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Historisches und Kulturhistorisches aus Wagenseils hebräischem Briefwechsel
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 333 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Historisclies u. Kulturhistorisches aus Wagenseils hebr. Briefwechsel 333 4 Die Briefe Nr. 3—6 sind von der ]?rau des Beer Eibenschütz, Bella Perlhefter2a, geschrieben; die ersten beiden (Nr. 3—4) an Wagenseil und die letzten (Nr. 5—6) an ihren Mann; sämtliche stammen aus dem Winter 1674/75, als Beer Eibenschütz in Altdorf bei Wagenseil weilte. Brief Nr. 13 vom Dezember 1674 ist in Schnaittach abgefaßt. Bella Perlhefter entschuldigt sich hier, daß sie einer Einladung Wagenseils zu einem Essen in Altdorf nicht Eolge leisten konnte. Der nächste Brief (Nr. 4) ist etwa 6 Wochen später geschrieben. Aus der ersten Zeit des Aufenthalts von Beer Eibenschütz bei Wagenseil stammen die letzten zwei Briefe. Aus dem Schreiben vom November 1674 (Nr. 5) erfahren wir, daß Wagenseil Frau Perlhefter als Lehrerin in Tanz und Zitherspiel für seine Tochter gewinnen wollte; sie gab ihre Zustimmung, als Tanzlehrerin bei ihm zu sein, lehnte jedoch ab, seine Tochter im Zitherspiel zu unterrichten, da sie nach dem Tode ihrer Mutter einen Eid geleistet habe, nicht mehr auf der Zither zu spielen. Wie aus den übrigen Briefen der Bella Perlhefter (Nr. 3—4, 6) hervorzugehen scheint, zog sie nicht zu ihrem Mann nach Altdorf, sondern blieb den Winter hindurch in Schnaittach. In dem Brief vom Dezember 1674 (Nr. 6) vernehmen wir noch das Echo aus dem früheren Leben des Ehepaars in Prag. D ort hatte Beer Eibenschütz anscheinend zusammen mit seinem Schwager Geschäfte betrieben und Wechsel zum Einziehen hinterlassen. Auch Möbel und Kleidungsstücke hatten sie bei ihrer Abreise in Prag zurücklassen müssen. Einiges erfahren wir hier über Prag selbst, über Streitigkeiten zwischen früheren und jetzigen Gemeindevorstehern wegen der Schuldenlast der Gemeinde21. Ferner finden wir hier einige Nachrichten über die Denunziation wegen Beihilfe znr Ermordung des Täuflings Simeha Winiberg, alias Wenzel Winbersky, der am 14. Dezember 1666 erschossen wurde. Nachdem die Beschuldigung auf Anstiftung znm Mord, die 1667 gegen den JudenpTimator Berl Jeiteles erhoben wurde, erfolglos gehliehen war, wurde eine solche Denunziation wieder im November 1674 in die Wege geleitet. 20 Gest. 1710 (Hock-Kaufmann a. a. 0.). 21 Über Streitigkeiten in der Gemeinde Prag um diese Zeit vgl. Wolf in Geigers ZGJD I, S.317ff.