Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Die Stellung des Minhag im Talmud
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 238 (sequence 13)
- Language
- German
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238 Alexander Guttmann Dezision keine allgemeine Geltung erlangten, aber als Minbag praktische Bedeutung gewannen. Kurz zusammengefaßt führt die vorstehende Analyse zu folgendem Ergebnis: 1. In talmudischer Zeit war das Verhältnis Minhag-Halacha eindeutig. Die Halacha stand höher als der Minhag. 2. Das Prinzip מנהג מבטל הלכה, das übrigens nur im Jer. vorkommt (zweimal), hat lediglich beschränkte Geltung, man kann sagen: theoretischen Charakter. Im Talmud wird dieses Prinzip weiter nicht beachtet, weder praktisch angewandt, noch diskutiert. 3. Wenn der Minhag der Halacha gegenüber erschwert, so findet er oft Berücksichtigung, doch darf dies nicht als Überordnung gegenüber der Halacha betrachtet werden. 4. Der Minhag konnte zur Halacha erhoben werden, und dies geschah auch recht oft. Andererseits diente der Minhag nicht selten als Ergänzung zu halachischen Lehrmeinungen. 5. In halachischen Streitfragen konnte der Minhag entscheidendes Gewicht erhalten. 6. Der Talmud räumt dem Minhag gewissermaßen gesetzlichen Charakter ein, indem er zu wiederholten Malen notwendige Beachtung der Minhagim einschärft, gelegentlich sogar die Strafbarkeit für Mehtbefolgung der Minhagim betont. 7. Der Jeruschalmi scheint den Minhag höher zu bewerten als der babylonische Talmud. Dies kommt an verschiedenen Stellen zum Ausdruck (siehe oben).