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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1939-01-01 · Heft 1 (Januar 1939) · p. 206

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
83 (1939)
Issue
Heft 1 (Januar 1939)
Article
Zur Gesellschaftsordnung und sozialen Gesetzgebung im Talmud
Date
1939-01-01
Page
206 (sequence 1)
Language
German
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Zur Gesellschaftsordnung und sozialen Gesetzgebung im Talmud Von Isidore Epstein* In den Berichten über die Frühzeit Israels und Judas, als die zwölf Stämme noch miteinander Krieg führten, und die Gedanken über König und Priester noch einfach waren, finden wir religiöse Führer, die Gott als den einzigen Herrscher der Stämme verkündeten und in dem Königtum Gottes als des Einen und Ewigen die Einheit der Einzelnen und des Volkes begründeten. Dieser einzige Gott und höchste König hatte am Sinai und fernerhin durch Priester und Propheten gesprochen. Was er gesagt und geboten hatte, wurde in der Bibel gesammelt, jenem Buche, durch das persönliches Leben und Gemeinschaftsleben geleitet wurden. So entstand und entwickelte sich die Religion Israels. Auf dem. Buch beruhend und in Gott gegründet, war sie nicht wie die römische Religion die Schöpfung des Staates noch irgendwie aus politischem Instinkt herleitbar. Für die Juden war die Religion an sich ein selbständiger und unabhängiger Faktor und ihre Bejahung die wesentliche Grundlage, auf der sich der jüdische Staat seinerseits zu erheben hatte* 1. Diese Voraussetzungen blieben, als der Staat unterging, als Jerusalem das erste-, dann das zweitemal zerstört wurde. Die Vor- Stellung von Gott als dem alleinigen Herrscher änderte sich nicht; und obgleich das Volk von Land zu Land wandern mußte, hielt es mit wachsender Inbrunst an dem Buche fest und es bewahrte treu die "Überlieferungen der vergangenen Jahrhunderte, wie der göttliehe Wille in der Eintracht aller Kräfte des täglichen Lebens verwirklicht werden sollte. Die soziale Gesetzgebung des Talmuds, die allmählich so ent- * Aus dem Englischen übersetzt von Arthur Israel Spanier. 1 I. Heinemann, Die griechische Weltanschauungslehre bei Juden und Römern, Berlin 1932, S. 14f.

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