Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Die Strafen der Religionsfrevler im Diesseits nach der Agada
- Date
- 1939-01-01
- Page
- 185 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Strafen der Religionsfrevler im Diesseits nach der Agada Von Abraham Marmorstein Auf dem weiten Gebiet von Legenden und Berichten über die Strafen der Gottesfeinde vor ihrem Ende im Diesseits begegnen sich griechische Dichter, römische Schriftsteller, Rabbinen und Kirchenväter in überraschender Weise. Auch hier sind die Griechen und Römer früher auf dem Schauplatz der Literatur als Juden und Christen. Es ist darum die Frage aufzuwerfen, ob die zugrunde liegenden Berichte von den Älteren entlehnt sind oder ob wir eine Erscheinung vor uns haben, die allen höheren Religionen gemeinsam ist, nämlich der Glaube, daß Gottesfrevler nicht aus der Welt scheiden, bevor sie in schrecklicher Weise für ihre Hybris im Diesseits büßen. Der in den ersten Dezennien des 4. Jahrhunderts nach Christus, also kurz nach dem endgültigen Triumph des Christentums über das Heidentum, schreibende Lactantius hat in seiner Abhandlung über den Tod der Christenverfolger unter den Cäsaren von Nero bis Daja einen Katalog von solchen Gottesfeinden und ihren Strafen zusammengestellt, der, wie W. Nestle (ARW, Bd. 33, 1936, S. 266ff.) gezeigt hat, viele Berührungspunkte mit ähnliehen Legenden auf weist. Der Professor der Rhetorik dürfte gewiß mit dem hierhergehörigen Material der klassischen Schriftsteiler vollkommen vertraut gewesen sein. Wie ist aber die vorhandene Übereinstimmung mit der rabbinischen Agada zu erklären? Dürfen wir den Agadisten eine solche Vertrautheit mit der griechischen und römischen Literatur Zutrauen, die eine derartige Entlehnung erklärt? Oder war ihr Umgang mit den gebildeten Rhetoren und Popular-Philosophen so intim, daß sie von ihnen diese Sagen und Legenden hörten und sich aneigneten? Darauf wird eine bejahende oder verneinende Antwort schwer zu finden sein. Jedenfalls geht aus den hier zu besprechenden Einzel-