Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Die Scheu vor Unbekanntem, Unbenanntem in Agada und Apokryphen
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 14)
- Language
- German
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Di© Scheu vor Uubekanntem, Unbenanntem in Agada u. Apokryphen 183 Das Buch der Jubiläen ist auf Erfindungen aufgebaut. Es erkünstelt sich einen Rahmen von fünfzig Jubiläen, fünfzigmal fünfzig Jahreszyklen. Für die der Reihe nach auf tretenden Ge־ stalten mußten Namen geschaffen, Lebensinhalt, Begebenheiten ersonnen werden. Unter anderem werden auch, wie im Test. Judas, die Kämpfe des Hauses Jakobs gegen das Haus Esaus geschildert. Die Entstehung der Feste wird in die Urzeit versetzt, mit erdichteten Begebenheiten begründet. Die Himmelfahrt Moses, wie sie Kahanas Sammlung gibt, greift eigentlich in den Kreis der apokryphen Makkabäerbücher hinüber, mit Taxo (= Mattathias) und seinen sieben(!) Söhnen — auf biblische Grundlage wird hier natürlich verzichtet. Die Baruch-Apokalypse ist zwar reich an Berührungen mit alter, echter Agada. Doch die Bilder vom Wald, von der Weinrebe, der Quelle, der Zeder, den zehn Gewässern, vom Adler, der den zehn Stämmen den Brief Baruchs überbringt, gehen über Agada hinaus. Das Hiob-Apokryphon schmückt sich mit märchenhaften Zügen. Die erste Hälfte (I—XXVII) schildert Satans Ansturm gegen Hiob. Um mit Hiob anbinden zu können, verkleidet sich Satan erst als Bettler, dann als König von Persien, schließlich als Krämer. Hiob übt große Wohltätigkeit. Sein Haus (wie Abrahams Haus) hat vier offene Tore, je eines nach jeder Himmelsrichtung. Durch Satans Ränke wird Hiob schließlich gar das Brot entzogen. Seine Frau Uzit verkauft dem Satan ihr Haar um drei Laib Brot. Der wieder gottgesegnete Hiob verteilt alle seine Güter zwischen seinen Söhnen. Die scheinbar leer ausgehenden Töchter kränken sich. Da übergibt er seiner Tochter Jamima einen Schlüssel, der ein ge־ heimes Schloß öffnet, in welchem drei Zauberkästchen geborgen sind — in jedem ein Zaubergürtel —, sie werden Engeln gleich. — Wir geraten hier weit vom Schriftwort ab, aber auch von der Agada. Und schließlich die Ezra-Apokalypse (IV. Ezra). Die zahlreichen Beziehungen zur Agada sind ja seit jeher erkannt und am ausführlichsten von A. Kaminka untersucht. Trotzdem haben wir auch hier nicht so sehr Agada als vielmehr ein durch gewaltige