Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 83 (1939)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1939)
- Article
- Die Entwicklung der Doppelformen der Buchstaben mnzpk und ihre Bedeutung als Kriterium für die Entstehungszeit des masoretischen Bibeltextes
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Entwicklung der Doppelformen der Buchstaben םגצפך 115 mitte, wie am Ende. Wobei das Schluß-Mem sich höchstens durch den abwärts gehenden Schlußstrich unterscheidet, den es in der Inschrift der Söhne Amrams und 1m Syrisch-Arabischen besitzt. Und nun läßt sich endlich zeigen, daß die grundsätzlich von der masoretischen Regel abweichenden Schreibungen, wie sie oben aus verschiedenen Quellen nachgewiesen wurden (beim Mem: offenes Mem auch am Wortende, andererseits geschlossenes Mem mit oder ohne Fortsetzungsstrich auch am Anfang und in der Mitte des Wortes), verschiedenen Zeitstufen angehören, in denen die einzelnen Formen entstanden, herrschend wurden und sich weiter veränderten, wonach wir mehrere außermasoretische Regeln unterscheiden können, die verschiedenen Zeiten angehören. Die zeitliche Verschiedenheit der orthographischen Regeln ist ja aus den Aus- Sprüchen des jerusalemischen Talmud an sich klar. Ein Ausspruch wie der: ״Die Tora der Ersten, weder ihr Mem noch ihr He war geschlossen“, setzt für die Zeit der Tradenten ein stets geschlossenes Mem (und He) voraus, und ihm reiht sich für dieselbe Zeit, die frühtannaitische Periode, der Satz an: ״Mem und Samech in den Bundestafeln hielten nur durch ein Wunder fest/‘ Für diese Zeit gibt es in der assyrischen Schrift nur ein stets geschlossenes Mem21. Dagegen war früher in der Tora der ״Ersten“ das Mem nicht geschlossen (ebenso das He). Und dies entspricht in der Tat auch der Entwicklungsgeschichte des Zeichens, da ja aus dem alten, gestreckten Mem zuerst das offene und dann erst das geschlossene Mem entstanden ist. Und damit ist ein wichtiges Moment zur Chronologie der Schrift und damit auch der Dokumente gewonnen. Wir haben etwa folgende vormasoretische Schreibweisen und deren Denkmäler zu unterscheiden: 21 Genauer mag man den Ausspruch über Mem und Samech in den Blindestafein für noch etwas jünger halten als den über die Tora der ersten. Denn in ersterem Satz spielt keine Erinnerung mehr über ein früheres, offenes Mem mit, die ja die Annahme eines Wunders überflüssig machen würde. 8*