Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 1)
- Language
- German
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Besprechungen 65 Die hebräischen Bibelzitate des Scholastikers Odo. Ein bedeutsamer Fund für die Geschichte des hebräischen Bibeltextes von Dr. Johann Fischer. Roma, Pontificio istituto biblico 1934. (Sonderabdruck aus Biblia 15 (1934), Heft 1, S. 50-93). Ein mittelalterlicher Scholastiker namens Odo hat ein gelehrtes Werk zum Zweck der Bekehrung der Juden geschrieben und in seinen lateinischen Text 78 hebräische Bibelzitate ein geflochten, hauptsächlich solche, die messianisch gedeutet werden können. Sämtliche Zitate sind von lateinischen Übersetzungen begleitet, dabei sind die ersten vier (Ex 202? 203; 244a 5«; 377) vokalisiert; das erste Zitat (Ex 202) erscheint in einer dreizeiligen Wieder״ gäbe: hebräischer Text, darüber eine lateinische Transkription und über der letzteren eine wörtliche lateinische Übersetzung. Prof. Arthur Landgraf, der das Manuskript dieses Werkes in der Bibliothek des Trinity College zu Cambridge entdeckt und in der Beurteilung scholastischer Manuskripte große Erfahrungen hat, versichert, daß das Manuskript nach Schrift und Abkürzungsweise nicht später als Ende des 12., höchstens Anfang des 13. Jahrhunderts geschrieben sein könne. Das Punktationssystem der vier vokalisierten Sätze ergibt folgendes Bild: Es kennt weder ein Dagesch forte noch lene, wie auch kein Schwa quiescens. Schwa mobile tritt manchmal auf, wird aber zuweilen durch Sere ersetzt, in manchen Fällen steht es überhaupt nicht. Die Chatefvokale sind durch Vollvokale ersetzt, zuweilen aber auch durch Schwa (אלהים und תשתחוה). Das Patachzeichen dient zugleich als Karnes, Sere zugleich als Segol. Der diakritische Punkt über dem ש ist nicht konsequent durch״ geführt. תכדב sind mit Raphezeichen versehen. Außerdem sind noch einige abweichende Schreibungen vorhanden wie תעשה (Ex 204a) und בשםי (Ex 204a — statt בשמים). Fischer will in dieser Punktation einen einfacheren Vorläufer des Tiberischen Systems aus dem 8. oder 9. Jahrhundert sehen. Die Matres lectiones sind in diesem Fragment viel häufiger verwendet als in unserem MT. Die Schreibung steht also der aramäischen Schreib״ weise näher. Uns scheint aber die Überlieferungsart dieses Fragments nicht geeignet zu sein, von der frühmasoretischen oder außermasoretischen Gestaltung eines Bibeltextes eine Vorstellung zu gewinnen, und zwar aus folgenden Gründen: 1. Das im ersten Zitat (Ex 202) angewandte Transkriptionssystem ist furchtbar inkonsequent, so wird z. B. h für ה ,א und כ verwendet; anderer« seits wird א wie ע auch ohne Zeichen gelassen; צ wird durch c, z und th wiedergegeben, aber c und th werden auch für f\, und z ד gesetzt. Fischer selbst konstatiert noch folgendes: 2. Nachlässige oder freie Wiedergabe der hebräischen Zitate in der lateinischen Übersetzung ist keine seltene Erscheinung, z. B. Ex 2010; Gen 315; Jes 112; Os 24 f.; 28 f6 ״! f. u. a., wie auch die häufige Ignorierung in dei Monatsschrift. 82. Jahrgang 5