Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 4)
- Language
- German
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Besprechungen 191 der Einsicht und der Tat folge, soweit seine Einsicht und seine Tat reicht. Nähert sich hiermit die prophetische Ethik der autonomen Ethik auch in der Anschauung Buhers insoweit an, als die selbständige religiöse und sitt« liehe Einsicht den konkreten Inhalt der in den Situationen des Lebens zu erfüllenden Aufgabe der Gottes« und Menschenliebe erfaßt, so bleibt andererseits aber die prophetische Ethik nicht bei bloß formalen Impera« tiven des Guten, der Gerechtigkeit und der Liebe stehen. Sondern der Prophet tritt mit konkreten religiös«sittlichen Forderungen an die Geimein« schaft heran, der der Einzelne angehört. Mit der Autorität des von ihm vernommenen Wortes Gottes fordert er bestimmte Ordnungen des Familien« lebens, des sozialen, des politischen, des religiösen Lebens. Die autoritative religiöse Ethik entfaltet sich notwendig in einer Fülle inhaltlicher Forde« rungen und Gesetze, die, so sehr sie dem Willen Gottes entstammen, doch menschlicher Einsicht zugänglich sind. So wird die prophetische Ethik not« wendig zur Schöpferin oder Mitgestalterin eines religiösen Rechts und einer religiösen Sitte, einer religiösen Tradition mit ihren das Gemeinschafts« leben formenden und heiligenden Gesetzen. Der Prophet wird Gesetzgeber. Der Einzelne steht dann nicht mehr in der Unbedingtheit seiner Einsicht und seiner freien Erkenntnis vor Gott, sondern die religiöse Tradition er« hebt den Anspruch, Gottes Stimme zu sein, und der Einzelne ist ver« pflichtet, in der Tiefe seiner Gottesliebe um die Entscheidung zu ringen, ob er in der Tradition Gottes Stimme zu vernehmen vermag. Damit gewinnt erst der biblische Humanitätsgedanke seine konkrete Gestalt: Der in der Gemeinschaft seines Volkes lebende, von ihren reli« giösen und sittlichen Ordnungen getragene Mensch ist der zur Gottes« und Menschenliebe Berufene. Es ist die Tragik der jüdischen Ethik, daß die innerlich verpflichtende Kraft der religiösen Tradition seit der Emanzipation gebrochen ist, weil die jüdische Gemeinschaft ihre lebendige Einheit ver« loren hat und eine jüdische Ethik als Gemeinschaftsethik nicht aus dem Nichts geschaffen werden kann. Wiederherstellung der Gemeinschaft ist die Voraussetzung der Erneuerung einer jüdischen Ethik, die in der Heili« gung des Gemeinschaftslebens das Wort Gottes zu erfüllen sucht. Albert Lewkowitz. ספתזכרון לפתיחת המוזיאון היהודי בק״ק נ״ש ־ Gedenkbuch, im Aufträge des Kuratoriums herausgegeben von Prof. Dr. Alfred Engel, Nikolsburg 1936. 133 S. Das schön ausgestattete und mit reichem Bildschmuck versehene Buch enthält interessante Aufsätze und Mitteilungen über die Geschichte des jüdischen Centralmuseums für Mähren«Schlesien in Nikolsburg, die dortige Altschulsynagoge, Grabinschriften aus N., Friedhofsgebräuche, R. David Oppenheim, R. Mordechai Banet, R. Nachum Trebitsch, R. Samson Wertheimer, Urkunden, Briefe, Handschriften, Brünner Drucke und wirt« schaftliche Beziehungen zu Österreich im 17. und 18. Jahrhundert, über« wiegend in deutscher Sprache; hebräisches und tschechisches werden ins Deutsche übersetzt oder dem Inhalte nach mitgeteilt. Das Museum hat mit dieser beachtlichen Leistung sich gut eingeführt. Über den Rabbinatsvor« sitzenden R. Mose.Löb Zülz (S. 36) ist zu vergleichen נחלת אבות, Wilna 1894,