Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1937-01-01 · Heft 1 · p. Seite 170

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
81 (1937)
Issue
Heft 1
Article
Zwei Kapitel aus der Geschichte der Juden in Schrimm
Date
1937-01-01
Page
Seite 170 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2830023-2830025-2850425--54620-2850625
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

170 Louis Lewin vorausgegangene Gemeindebildung batte eine solche gemeinschaftliche Veranlagung keinen Sinn gehabt. Da diese Steuer ״vielfach überhaupt nicht gezahlt wurde“, haben auch die Schrimmer Juden sie nicht entrichtet. Wenn sie solches wagen konnten, mußten altes Gewohnheitsrecht, eine gewisse Macht- Position und Altbesitz ׳von Schutz ihnen zur Seite gestanden haben. Aus jener Steuerliste ist ersichtlich, daß in bezug auf steuerliche Leistung die Gemeinde an sechster Stelle im Posener Distrikt stand hinter Posen, Obornik, Rogasen, Meseritz und Schwerin a. W., daß sie aber immerhin unter den ältesten und führenden gezählt wurde. Auch in den folgenden Jahrhunderten hat sie innerhalb der großpolnischen Judenschaft eine bedeutendere Rolle gespielt7. Wie in anderen königlichen Städten, zum Beispiel in Bromberg, Exin, Fraustadt, Gnesen und Meseritz, die mittelalterlichen Judensiedlungen sich mehr oder minder behaupten konnten, wird wohl auch in Schrimm es der Fall gewesen sein. Die Historiographie der Posener Judenstädte neigt gleichfalls der Ansicht zu, daß in Schrimm ״schon um 1373 eine größere Anzahl von Juden gewohnt hat“, eine Ansicht, die bisher unwidersprochen geblieben ist. Fassen wir die eben gegebenen Nachrichten und Momente zusammen, so berechtigen sie zu dem Schlüsse, daß auch hier auf jüdischem Boden im Mittelalter eine Niederlassung geblüht haben werde. Der Mangel an Urkunden aus ältester Zeit ist zunächst auf die häufigen Brände zurückzuführen, die die Judenschaft heimsuchten, so kurz vor 1638, um 1708/9 im nordischen Kriege, 1762 und 1799, sodann auf sonstiges Ungemach, so als 1656, dem schwärzesten Jahre der großpolnischen Judenheit, 124 Juden aus Schrimm, die nach Xions geflüchtet waren, ermordet wurden, und 1724, als aus unbekannten Gründen 7 Zeitschr. a. a. O. I 394, Mitteil, des Gesamtarchivs VI 11, Lewin a, a. Ö. S, i3, 33, 40, 45 f., 74, 83, 90, 95, 107, 116, 127, Dubnow-Festschrift S. 128, Monatsschrift 1921 S. 152, Festschrift . . . Feilchenfeld, Pleschen-Schrimm 1907, S. 38, Heppner-Hefzberg, Aus Verg. u. Gegen w. der J ... Posen er Landen, Koschmin-Bromberg 1904 ff., S. 800, Wundrack S. 14, 6 Anm. 4, Wuttke, Städtebuch des Landes Posen, Leipzig 1864, S. 446.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.