Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Geschichte von Rabbi Meir und Beruria in arabischer Fassung
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2830023-2830025-2850416--54516-2850536- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Moses Goldmann: Die Geschichte von Rabbi Meir u. Beruria 81 Die Geschichte von Rabbi Meir und Beruria in arabischer Passung. Yon Moses Goldmann. Im ״Klassenbuch64 des Ibn Saad, Band VIII, Biographien der Frauen, wird von Umm Sulaim, der Frau des Abu Talha, des Zeitgenossen des Propheten Mohammed, eine Geschichte erzählt, die in Inhalt und Aufbau an die bekannte Geschichte vom Tode der Söhne des Rabbi Meir und seiner Frau Beruria erinnert. Die arabische Geschichte wird in 4 Versionen erzählt, deren Tradentenketten sämtlich auf Anas ibn Malik, ebenfalls einen Zeitgenossen des Propheten, der Augenzeuge der Begebenheit war, zurückgehen. Ich gebe im folgenden den hebräischen Text aus verschiedenen Versionen des Midrasch Mischle zu 3110 in Übersetzung wieder. Es geschah, einmal, daß Rabbi Meir am Sabbat zur Zeit des Mincha (gebetes) im Lehrhaus saß und vortrug, und (da) starben seine 2 Söhne. Was tat ihre Mutter1? Sie legte beide aufs Lager und breitete über sie ein Tuch aus. Nach Ausgang des Sabbat kam Rabbi Meir aus dem Lehrhaus. Er sprach zu ihr: wo sind meine beiden Söhne? Sie erwiderte ihm: sie sind ins Lehrhaus gegangen. Er sprach: ich habe im Lehrhaus Ausschau ge״ halten, habe sie aber nicht gesehen. Sie gab ihm den Hawdalahbecher. Er sprach wiederum: wo sind meine beiden Söhne? Sie sprach: manchmal2 gehen sie da und da hin, und jetzt pflegen sie zu kommen. Sie trug ihm das Essen auf. Nachdem er das Tischgebet gesprochen hatte, sprach sie zu ihm: Rabbi, ich habe eine Frage zu stellen. Er sprach zu ihr: sprichl Sie sagte zu ihm: Rabbi, vor dem heutigen Tage3 kam ein Mann und gab mir (etwas zur) Aufbewahrung. Jetzt ist er gekommen. Sollen wir (es) ihm zu״ rückgeben oder nicht? Er sprach zu ihr: Meine Tochter^ wer (etwas zur) Aufbewahrung bei sich hat, muß es nicht seinem Herrn zurückgeben? Sie sprach zu ihm: ohne dein Wissen würde ich es nicht zurückgeben. Was tat sie (dann)? Sie ergriff ihn an der Hand, führte ihn in jenes Zimmer hin־ auf, ließ ihn an das Lager herantreten, nahm das Tuch von ihnen herunter und (da) sah er sie beide tot auf dem Bette liegen. Er fing an zu weinen und sprach: Meine Söhne, meine Söhne, meine Meister, meine Meister! 1 Buber druckt אמן? im Jalqut steht das richtige א^ן, 2 Manche Herausgeber scheinen פעמים Zu lesen und der Auffassung zu sein ״sie sprach zweimal“. Mir scheint kein triftiger Grund für diese Les״ art vorzuliegen. 3 Wünsches Übersetzung (Leipzig 1885) ״vor Anbruch des heutigen Tages“ ist schon deshalb abzulehnen, weil die fromme Frau des Rabbi Meir am Sabbat ein von außen gebrachtes Pfand nicht angenommen hätte. Monats schritt, 81. Jahrgang 6