Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Chadhir und der Prophet Elijahu als wundertätige Baumeister
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 5)
- Language
- German
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80 Bernhard Heller Chadhir gleich. In der spätjüdischen Legende wird Josua ben Levi derart vom Propheten Elijahu geführt und aufgeklärt. Thalabi, der uns doch auch das Märchen bewahrt hat von Chadhir, der als Sklave verkauft seinem Herrn über Nacht einen Palast baut, fühlte diese Wesensverwandtschaft zwisehen Elijahu und Chadhir; er führt mehrere Überlieferungen an: Chadhir gehört dem Persertum an wie Iljas seinem Israel; sie kommen bei den Wallfahrten in Mekka zusammen; sie erleben die Offenbarung des Qorans, da sterben sie beide6. Nun fragt es sich, welches ist die ursprüngliche Fassung unseres Märchens, die mit Elijahu im Chibbur Jafeh oder die mit Chadhir bei Thalabi? Die Chronologie kann hier schwer entscheiden. Falls Chibbur Jafeh von R. Nissim b. Jakob verfaßt wurde, würden beide Überlieferungen dem XI. Jhdt. entstammen. Auf jüdischen Ursprung schiene die Einzelheit bei Thalabi hinweisen, daß der Arme dem Gottesmann auf einem Platz der Kinder Israel begegnet. Trotzdem neige ich der Vermutung zu, daß in diesem Falle die spät jüdische Legende eine Anleihe bei der islamisehen Legende gemacht habe. Das Motiv vom Edlen, der sich als Sklaven verkaufen läßt, eignet der arabischen Sage von Hätim dem Tajjiten. Vom altfranzösischen Eracles-Gedicht ist es bekannt, daß es unter morgenländischer Einwirkung entstanden ist. Das Motiv vom Bau über Nacht ist dem Aladdinmärchen eigen, im jüdischen Schrifttum scheint es sonst nicht nachgewiesen zu sein. Gerne möchte ich die Entscheidung Berufeneren anheimstellen, — so dem Manne, dem diese Festschrift geweiht ist, den wir verehren als anerkannten Islamforscher und zugleich als Förderer der Wissenschaft des Judentums, als werktätigen Baumeister. 6 Seit Israel Friedländers prächtigem Werk: Die Chadhirlegende und der Alexanderroman (Leipzig-Berlin 1913) bietet die reichste Zusammen- Stellung über die Chadhir-Elias (auch Pinchas« und Henoch-)Legende wohl Hasluck's Christianity and Islam under the Sultans, Oxford 1929 I 319—336. Chadhir und Elijahu erscheinen hier als Reisende, als Finder des Lebensquells, als Gönner der Gottesgelehrten, als Hohepriester, als rastlose Wanderer, — doch niemals als wundertätige Baumeister.