Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Wiederherstellung einer griechischen Textgestalt des Buches Ruth
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2830023-2830025-2850412--54484-2850511- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
56 Alexander Sperber bildet ein Glied in dieser Kette. Erst wenn es mir gelungen sein wird, die völlige Haltlosigkeit der Lagarde’schen Theorie in allen ihren Einzelheiten aufzuzeigen, dann kann ich an die Aufbauarbeit schreiten. In seiner ״Studie über den griechischen Text des Buches Ruth“ (Mitteilungen des Septuaginta-Unternehmens der Ge- Seilschaft der Wissenschaften zu Göttingen, Band 3 Heft 2, Berlin 1922) handelt Rahlfs (S. 124 ff.) über die altlateinische Übersetzung dieses biblischen Buches, die Samuel Berger in seiner Schrift ״Notice sur quelques textes Latins inedits de FAncien Testament“ (Paris 1893) nach einer jetzt als ms. no. 31 im Besitze der Universitätsbibliothek zu Madrid be- :Endlichen Handschrift abgedruckt hat. Über die Anlage dieser altlateinischen Übersetzung des Buches Ruth urteilt nun Rahlfs (S. 125, Absatz 2) wie folgt: ״Die Übersetzung ist, wie wir das bei altlateinischen Übersetzungen nicht anders gewohnt sind, im großen und ganzen mechanisch und ohne Rücksicht auf den Geist der lateinischen Sprache gemacht.“ Dieses Werturteil wird im folgenden Absatz 3 eingeschränkt: ״Hiernach könnte man meinen, Lat sei eine ganz genaue Übersetzung, aus der man wie aus Syr die griechische Vorlage bis ins kleinste rekonstruieren könnte. Das ist jedoch nicht der Fall. Zwischen Lat und Syr besteht in dieser Beziehung ein grundlegender Unterschied. Syr gibt seine griechische Vorlage aus Prinzip wörtlich . .. wieder ״ ... Lat dagegen übersetzt wörtlich ... aus Ungeschic k“. Diese zwei Feststellungen stehen in Widerspruch zueinander, und es erhebt sich die Frage: welche Kriterien bietet uns Rahlfs zur genaueren Unterscheidung zwischen ״Prinzip“ und ״Ungeschick“? Statt Regeln aufzustellen bringt Rahlfs eine Reihe von Bibelstellen als Beispiele für die Arbeitsweise der altlateinischen Übersetzung (S. 126): ״Hier nur einige charakteristische Beispiele für ungleichmäßige Wiedergabe derselben Worte: 115, 310 ojttaco post, 22 f. xatojticüsv depost, also einfaches griechisches Wort durch einfaches lateinisches, zusammengesetztes griechisches durch zusammengesetztes lateinisches wiedergegeben.