Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Menschensohn
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Der ״Menschensohn 13 des zweiten Tempels den erwarteten Messias so benannt haben1. Das Wort ist ein altes biblisches. Es gehört der gehobeneu, dichterischen Rede zu, durch den Einzelnen die Gattung bezeichnend und oft wechselnd mit den anderen Gemeinnamen für den Menschen: isch, enosch, geber. Im Pentateuch steht es einmal, in der Bileamrede, und es fehlt in den geschichtlichen Prophetenbüchern. Der erste Teil des Jesaja- Buches hat es, wohl zufälligerweise, nicht, dagegen der zweite Teil dieses Buches ebenso wie Jeremia, der Psalter und Hiob. Durchgängig benennt es den Menschen schlechthin, im Gegensatz entweder zu Gott oder zum Tiere, und damit appellativ das Menschengeschlecht, das menschliche Wesen2. Eine Besonderheit hat unser Wort im Buche Ezechiel; mit ihm, oft zugleich mit dem Fürwort ״duSw, ruft Gott den Propheten an. Der prophetische Stil zeigt hier seine Mannigfaltigkeit. So wie einst Abraham und Moses hatten sich Samuel und Elia mit ihrem Namen Yon Gott angesprochen gehört und ebenso nach ihnen Arnos und Jeremia, diese beiden nach der Frage, die Gott an sie richtete: ״Was siehst du?66 Die anderen Propheten hatten es so nicht yernommen, auch Jesaja nicht, als ihm in wundersamem, ganz persönlichem Erlebnis die Berufung zuteil ward, Secharja nicht, als auch an ihn die Frage erging: ״Was siehst du66. Erst das Buch Daniel, wohl 1 Über die mannigfaltigen Antworten, die gegeben worden sind, vergl. C. G. Montefiore, The Synoptic Gospels P S. 64—80, H. Weinei, Biblische Theologie des Neuen Testaments § 34, Bousset־Grefimann, Die Rel. des Judent. im späthellen. Zeitalter S. 262 ff., G. F. Moore, Judäism in the first cent. IE 333 ff., Wellhausen, Evangelium Marci S. 17 f. u. S. 66 ff., J. Klausner, Jeschu hanozri S. 266 ff., deutsche Ausg. S. 348 ff., H. Junker, Untersuch, über liter. u. exeget Probl. des Buches Daniel, sowie die in RGG2 s. v. verzeichnete Literatur. Über den allgemeinen Charakter der pseudepigraphischen Literatur s. Travers Herford, Talmud and Apocrypha S. 171 ff. und 211 ff., über die imit unserer Frage zusammenhängenden allgemeinen reli« gionsgeschichtlichen Probleme s. Rudolph Otto, Menschensohn und Gottes« reich. 2 Num 2319; Jer 4918 u. 33; 5040; 5143; Jes 5112; 562; Hiob 1621, 25«; Ps 85; 8018; 1463. Der Psalter hat besonders häufig die Pluralform b״ne adam, die schon im Abschiedsliede des Moses und ferner bei Joel, Micha und Jeremia sowie in den Sprüchen vorkommt.