Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde 33 In dieser Erzählung sind von besonderem Interesse: a) die Rolle, die der Baum spielt, b) die Todesart des Propheten״ Um mit b) zu beginnen, liefern wir einen Beitrag zu Liebrechts Abhandlung: ״Über eine alte Todesstrafe“. (Zur Volkskunde S. 296 ff.). Unter anderem behandelt Liebrecht dort auch die meist aus Sagen und Märchen zu erschließende Todesstrafe des ״Zermahlens und Zersägens‘\ Wenn auch II. Sam 12, 31 eine solche erwähnt wird, so ist sie als gesetzlich nie im Judentum angewendet worden. Für ihre ungesetzliche Anwendung aber spricht die Sage vom Tode des Propheten Jesaja, die sonst keine Analogie weiter in der jüdischen Literatur hat. Auch für die Todesart durch ״Zermahlen“ oder ״Zerstampfen“ läßt sich ein solcher Beweis führen. In der Sage von der Irrfahrt des Königs David nach Nob wird erzählt, daß die Mutter des Goliath, als. sie den Mörder ihres Sohnes erkannt hatte, ihn ergriffen und unter die Ölpresse gelegt habe, um sich drauf zu setzen und ihn durch ihr Gewicht zu z e r - malmen. Durch ein göttliches Wunder jedoch gab die: Erde dem Drucke nach und bildete gleichsam eine Vertiefung, in welcher David sicher lag und ungefährdet blieb. Ein ähnliches Nachgeben, aber einer Mauer, wird im Mittelalter von der Mutter des Rabbi Juda Hechasid erzählt. In einer engen Gasse kommt ihr ein schwerbeladener Wagen entgegen und drückt die hochschwangere Frau an die Wand, mit der Absicht, sie zu zerquetschen. Aber o Wunder! Die Wand gibt nach, und durch die entstandene Höhlung, die sie aufnimmL wird die Frau von der drohenden Gefahr gerettet. (Tendlau: Das Buch der Sagen und Legenden, 3. Aufl. S. 223 und Maasse Nissim Nr. 8.) David hat aber noph lange nicht alle Gefahren überstanden, denn jetzt will der überlebende Bruder des Goliath sich an ihm rächen und wirft ihn in die Luft, mit der Absicht, ihn auf einem Spieße, den er in die Erde gesteckt, aufzufangen. Abischai jedoch, der zu seiner Rettung herbeigeeilt ist, spricht einen heiligen Namen Gottes aus, David bleibt in der Luft hängen und entgeht so der drohenden Gefahr. Hier kommt die Erinnerung an eine alte Todesart durch Spießen zum Ausdruck. Einer vierten Art, die freilich im Zusammenhang den Römern zugeschrieben wird, erwähnt R. Eleasar, Sohn des R. Zadok (jer. Monatsschrift, 80. Jahrgang 5