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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 1 · p. Seite 5

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 1
Article
Sokrates in der jüdischen Literatur
Date
1936-01-01
Page
Seite 5 (sequence 3)
Language
German
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Sokrates in der jüdischen Literatur 5 und mit heilsamer Nahrung erfüllen können". Denn das, so fügte Philo nicht ohne Stolz hinzu, bedeuteten uns Juden die nach Erkenntnis Suchenden, nämlich daß sie selbst zu sittlichem Tun gelangen und andere dazu führen. Philo erwähnt Sokrates noch einmal; In der Schrift >,vom beschaulichen Leben" er* zählt er von zwei berühmten Symposien in Griechenland, an denen auch Sokrates teilgenmomen habe und die von Xenophon und Plato als denkwürdige Ereignisse beschrieben worden seien, damit; kommende Geschlechter sie als Beispiele für musisches Verhalten während der Symposien verwenden können. Diese Symposien aber; meinte Philo, müssen mit den Symposien der ״Unsrigen", der Therapeuten, verglichen, als lächerlich erschein nen4. Anders als-später die Kirchenväter, die Sokrates neben Jesus stellten und auf die Übereinstimmung zwischen beiden hinwiesen, betonte Philo den Gegensatz zwischen Sokrates und der jüdischen Frömmigkeit. Die Erkenntnis/ deren Hochziel im Judentum sittliches Tun war, galt ihm mehr als die Erkenntnis um ihrer selbst willen, und die religiösen Brudermahle derThera* peüten erschienen ihm wertvoller als die griechischen Sym^ posien. u:׳־ י..-, :;;:ד-:. - ׳■:. . . 3. Das palästinische Judentum hat sich der griechischen Weisheit im großen und ganzen verschlossen. Wohl gab es in Palästina Lehrer, die die Schönheit der griechischen Sprache und Kunst und die Tiefe der griechischen Weisheit geahnt und im Lehrhause über sie in anerkennenden Worten gesprochen haben, allein keiner von den jüdischen Weisen in Palästina hat die Werke eines Plato oder Aristoteles gekannt. Die sittliche Größe des sterbenden Sokrates war in manchem Punkte zwar der der jüdischen Weisen in Palästina verwändt. Sokrates, der vor seinem Tode die weihenden Jünger getröstet, mit dem Kerkermeister milde und freundliche Worte gewechselt und in voller Gelassenheit den Schierlingsbecher geleert hat, glich in manchem den jüdischen Weisen, wie z. B; R.;Akibä; der, von den Römern zum Tode verurteilt, vor dem Tode mit seinen Schülern religiöse Gespräche führte und dem römischen Beamten erklärte, daß er sich freue, Gott ״mit ganzer, Seele" lieben 4 de somn. I 58; vita contempL 57 f. י

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